„Tritt ins Hinterteil“: BVG kündigt Kleingärtnern am Machandelweg

Hoffen auf eine Entschädigung: Detlev und Rita Isendiek und Hans-Joachim Thalheim (v.l.). Im Hintergrund ein Teil des BVG-Ausbildungszentrums. (Foto: Schilp)
 
Blick auf die Kleingartenanlage "Olympiastadion". (Foto: Schilp)
Berlin: Kleingartenanlage Olympia-Stadion |

Westend. Die Kleingartenanlage Olympia-Stadion am Machandelweg 24 wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Doch den Laubenpiepern ist nicht zum Feiern zumute: Die BVG, Eigentümerin des Grundstücks, hat ihnen zum Jahresende gekündigt.

Die 36 Parzellen liegen direkt neben den BVG-Werkstätten und dem Ausbildungszentrum, zwischen U-Bahnhof Olympiastadion und dem Machandelweg. Fast alle Pächter haben früher bei den Verkehrsbetrieben gearbeitet oder arbeiten noch immer dort. Einige bewirtschaften ihr kleines Grundstück schon seit einem halben Jahrhundert.

Keine Abfindung

Im vergangenen Herbst kamen die ersten Kündigungsgerüchte auf; im Dezember bestätigte die BVG sie. Sie brauche das Kleingärtner-Areal für die Erweiterung des Ausbildungszentrums, hieß es. „Wir sollen überhaupt keine Abfindung bekommen“, sagt Detlef Isendieck. Lediglich für die Räumung des Grundstücks wolle die BVG sorgen. „Wir waren immer für die Firma da, und jetzt gibt es einen Tritt ins Hinterteil.“ Er erinnert sich zum Beispiel noch gut daran, wie seine Kollegen und er nach dem Mauerbau Doppelschichten geschoben haben – die Angestellten aus dem Ostteil konnten ja nicht mehr zur Arbeit kommen.

Seine Frau und er haben noch Glück: Sie haben ein neues Grundstück in Spandau gefunden. Doch dafür muss das Ehepaar etliche Tausend Euro auf den Tisch legen, ganz zu schweigen von den Kosten für eine neue Laube. Sein Mitstreiter Hans-Joachim Thalheim ist ganz besonders sauer. Seine Frau und er haben drei Jahre lang auf eine Parzelle gewartet. Im vergangenen August war es endlich so weit. „Wir haben 10 000 Euro in den Garten gesteckt und jetzt können wir ihn nur noch ein paar Monate lang nutzen; das Geld ist in den Sand gesetzt.“

Ähnlich geht es anderen Pächtern, die 2015 in ihr Grundstück investiert haben. „Uns kann doch niemand erzählen, dass die BVG erst so kurzfristig beschlossen hat, hier zu bauen“, sagt Thalheim.

Für Unmut sorgt außerdem, dass einigen Kleingärtnern nach dem Pachtgesetz, anderen nach dem Bundeskleingartengesetz gekündigt worden sei. Letztere könnten sich nach geltendem Recht doch noch Hoffnung auf eine Abfindung machen, erstere nicht. Die Pächtergemeinschaft will nun per Anwalt an den BVG herantreten, um möglichst für alle eine Entschädigung herauszuholen.

BVG: Räumung wird teuer

BVG-Sprecherin Petra Reetz will den Laubenpiepern keine Hoffnung machen. Tatsächlich gebe es unterschiedliche Verträge, doch ihr Unternehmen wolle möglichst alle gleich behandeln; alles übrige müsse gegebenenfalls die Rechtsabteilung klären. Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, die BVG würde „nur“ für die Räumung der Grundstücke sorgen: „Das wird sehr, sehr teuer werden. Alles muss nach den neuesten Gesetzen ökologisch einwandfrei sein.“

Aber warum wurden noch im vergangenen Herbst neue Verträge geschlossen? „Wir wollten ursprünglich das bestehende Ausbildungszentrum modernisieren und erweitern; doch die Kosten-Nutzung-Rechnung hat ergeben, dass ein neues günstiger ist“, sagt Reetz. Neben dem Zentrum werde auch eine weitere Kleinprofilhalle gebaut, in dem die Azubis üben können. „Uns gehört das Grundstück, deshalb werden wir es auch nutzen.“ Rund 60 Millionen Euro werde die BVG investieren.

Persönlich tue es ihr für die Kleingärtner leid: „Ich kann die Tränen gut verstehen.“ Doch hier gehe Gemeinwohl vor Eigennutz. „Wir bilden verstärkt aus und brauchen ein modernes Zentrum.“ Momentan erlernen 443 Azubis bei der BVG zwölf unterschiedliche Berufe; jedes Jahr würden mehr als 100 Lehrlinge aufgenommen. sus
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