Einwohnerantrag zum Erhalt der Wiese am Franz-Cornelsen-Weg abgelehnt

Biotop als Bauland: Dass die Cornelsenweg-Wiese unberührt bleibt, ist sehr zu bezweifeln. (Foto: Schubert)
Berlin: Cornelsenweg-Wiese |

Schmargendorf. Dämpfer für die Biotop-Schützer: Eine rot-schwarze Mehrheit stimmte gegen ihren Antrag zur Bewahrung der Wiese am Franz-Cornelsen-Weg. Damit ist das Wohnungsbau-Projekt von "Becker und Kries" auf dieser Freifläche aber keineswegs abgesegnet. Jetzt geht es um das Wie.

An den Obstbäumen zeigen sich die ersten Knospen. Aber die Hoffnungen, dass hier auf der Cornelsenweg-Wiese die wilde Natur Bestandsschutz genießen könnte, haben sich seit der aktuellen BVV-Sitzung stark getrübt. Dort hat ein ungewohntes Bündnis aus SPD und CDU den Forderungen der örtlichen Initiative nach Erhalt des Grünstücks eine Absage erteilt.

Entsprechend entrüstet zeigte sich deren Sprecher Norbert Machachej. Er begrüße zwar, dass Rot-Schwarz nun Verhandlungen mit allen Beteiligten starten möchte. Aber dass die SPD in diesem Fall von ihrer Zählgemeinschaftserklärung abweicht, wonach geschützte Grünflächen zu schonen sind, hält er für einen Affront. "Wir fühlen uns missachtet", kommentierte Machachej die Vorentscheidung für eine Bebauung mit 100 Wohnungen.

Gerade dieses unerschütterliche Festhalten an der eigenen Position betrachtet Baustadtrat Marc Schulte (SPD) als Problem. "Wenn keine Kompromissbereitschaft da ist, wird Bürgerbeteiligung schwierig", warnte er die Initiative. Man habe abzuwägen zwischen den Interessen von Familien, die bezahlbare Wohnungen brauchen, und den Wünschen von Anwohnern, die Riegelbauten vor ihrem Fenster ablehnen. Seltene Rückendeckung erhält Schulte von der CDU, wo Arne Herz an die Notwendigkeit zum aktiven Gestalten erinnert: "Der Einwohnerantrag ließ dafür keinen Spielraum." Wenn man mit "Becker und Kries" verhandelt, dann ergebnisoffen.

Aber die unbeugsame Haltung der Bürger fand in der BVV auch Freunde - etwa bei Pirat Siegfried Schlosser. Und vor allem bei den Grünen. Deren Sprecher Ansgar Gusy wies darauf hin, dass die Gegend seit Errichtung der mächtigen Autobahnüberbauung an der Schlangenbader Straße schon hoch verdichtet ist und etliche Kleingartenkolonien Bauprojekten zum Opfer fallen dürften. "Wilmersdorf steht unter Druck", befindet Gusy. Ob dieses Argument greift, zeigt sich jetzt am Verhandlungstisch.


Thomas Schubert / tsc
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