Neue Broschüre über Schlachtensee in der NS-Zeit

Hobbyhistoriker Dirk Jordan hat eine Broschüre über das Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager in Schlachtensee verfasst. (Foto: Ulrike Martin)

Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager in Schlachtensee von 1933 bis 1945 sind Thema einer neuen Broschüre des Hobbyhistorikers Dirk Jordan. Sie enthält Informationen, Karten und Fotos zu diesen Lagern, an die heute nichts mehr erinnert.

Die Publikation beginnt mit einen Beitrag von Wolfgang Ellerbrock über die Entstehung Schlachtensees. Dieser Beitrag bildet den Hintergrund für die Beschreibung der Orte, an denen sich die Lager in der NS-Zeit befanden. „Es gab beides, die Idylle und die Lager“, schreibt Jordan, „das normale Leben und das Zwangssystem der Internierten.“

Bisher sind sieben Lager des NS-Staates bekannt, „sie legten sich wie ein Kranz um Schlachtensee“. Zu diesen Einrichtungen gehörte das Kriegsgefangenen- oder Zwangsarbeiterlager, genannt Russsenlager, in der Anackerstraße, dem heutigen Urselweg 13-15. Dort sollen 350 Kriegsgefangene untergebracht worden sein. Waren Zwangsarbeiter aus westeuropäischen Staaten deutschen Arbeitern gleichgestellt, galt dies für Ostarbeiter nicht. Sie hatten einen weitaus geringeren Verdienst, keine Arbeitsschutzbestimmungen, durften bei Bombenangriffen nicht den Luftschutzkeller aufsuchen. Die Lebensmittelversorgung war generell schlecht, die der Ostarbeiter katastrophal. Sie erhielten nur die gleichen Hungerrationen wie die russischen Kriegsgefangenen.

Ein anderes Lager befand sich im Königsweg 41, nahe dem Rittergut Düppel und der Reichsreiterführerschule der SA, für die 1936 ein Neubau errichtet wurde. Über das Lager ist nicht viel bekannt.

Nach Auskunft des Vermessungsamtes Zehlendorf gibt es eine Akte von 1939 mit der Bezeichnung „Aufmessung der Baracken für Sudetendeutsche Arbeitskameraden“. Ob die Baracken für diesen Zweck genutzt werden, ist nicht geklärt.

Ein anderer Hinweis ist eine Liste von 1942 aus dem Landesarchiv, in der das „Wohnlager Düppel“ verzeichnet ist. E soll mit „dauerhaft untergebrachten Arbeitern“ belegt gewesen sein, darunter „Holländer, Belgier, Ukirainer, Tschechen, Bulgaren usw“. Heute befindet sich auf dem Areal eine Gartenbaufirma.

Da es ab 1941 vermehrt Bombenangriffe gab, wurden Behörden aus der Stadtmitte in Randgebiete verlegt. So entstand auf dem Gelände zwischen Benschallee, Königsweg, dem heutigen Mutter-Mochow-Weg und der Potsdamer Caussee ein Ausweichlager für das Oberkommando des Heeres (OHK), das seinen Dienstsitz im so genannten Bendlerblock in Tiergarten hatte.

In weiteren Kapiteln berichtet Jordan über das Kriegsgefangenenlager Wiesengrund an der Potsdamer Chaussee, benannt nach einem in den 1920er- und 1930er-Jahren beliebten Ausflugslokal am Königsweg, über zwei Zwangsarbeiterlager südlich und nördlich der Wasgenstraße sowie über das Zwangsarbeiterlager der Firma Joachim Fischer am S-Bahnhof Schlachtensee. Die Firma fertigte Teile für den Flugzeugbau.

Die Broschüre „Idylle und Lager. Schlachtensee 1933-1945 - Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager“ ist für zwei Euro im örtlichen Buchhandel oder beim Autor (schlachtensee@jordandirk.de) erhältlich.
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