Museum zeigt Dauerausstellung über den Bezirk

(Foto: Ringo Paulusch)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Ein uralter Wisent-Schädel neben dem Bildnis der Kurfürstin Sophie Charlotte, eine Leihbadehose aus dem Seebad Wilmersdorf neben der Amtskette des Oberbürgermeisters: So unterschiedliche Objekte kann der Besucher der neuen Schau "Westen!" in der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55, betrachten.

Zum ersten Mal hat das Bezirksmuseum eine Dauerausstellung über die "schönen Schwestern" Charlottenburg und Wilmersdorf auf die Beine gestellt. Sie soll fortan das Herzstück des Hauses sein. In nachgebauten Ku’damm-Vitrinen sind Stücke aus acht Epochenschritten zu sehen. So geht es beispielsweise um die Olympischen Spiele 1936, um den Polizisten Kurras, der Benno Ohnesorg erschoss, um den Lunapark oder die berühmten Lichtspielhäuser. An den Wänden hängen großformatige Stadtansichten. In einer Ecke steht die alte Lützower Kirchenglocke aus dem Jahr 1646, in einer anderen liegt ein "Schweinebauch", eine der typischen Charlottenburger Gehwegplatten.

"Sie sind ein klein wenig größer als anderswo", erklärt der Ausstellungskurator Benedikt Goebel. Apropos groß: "Charlottenburg und Wilmersdorf sind schnell extrem gewachsen, so dass Anfang des 20. Jahrhundert alles da war, was eine Großstadt braucht - eine Oper, ein riesiges Kaufhaus und vieles mehr", sagt Goebel. Der Historiker ist davon überzeugt, dass der Berliner Westen ohne diese Struktur nach der Teilung der Stadt kaum lebensfähig gewesen wäre.

Die Ausstellung bietet noch mehr. So gibt es einen Kinoraum, in dem unterschiedliche Filme über die 300-jährige, wechselvolle Geschichte Charlottenburg-Wilmersdorfs laufen, darunter noch nie gezeigte Filmsequenzen. Themen sind die historische Entwicklung, Zerstörung und Wiederaufbau, Kultur und Vergnügen. Ein vierter Film widmet sich den politischen Morden und Justizopfern, die in Charlottenburg und Wilmersdorf zu beklagen waren.

An einem Medientisch kann man Karten und Pläne des Bezirks anschauen und Texte, Biografien und Bilder zu Hunderten von Orten, Ereignissen und Personen aufrufen. Im "Bezirkspantheon" im Museumsfoyer stehen elf Köpfe wichtiger Persönlichkeiten, darunter der Charlottenburger Oberbürgermeister Kurt Schustehrus und Boris Barlog, der langjährige Intendant des Schiller-Theaters.

Schließlich geht es auch um die Villa Oppenheim selbst. Die 1847 von Alexander Mendelssohn und seiner Frau Marianne als Sommersitz bezogen wurde. Fast drei Jahrzehnte lang war die "Villa Sorgenfrei" der Mittelpunkt des Familienlebens - davon zeugen alte Fotografien, Pläne und Zeichnungen.

"Westen! Stadtgeschichte Charlottenburg-Wilmersdorf", Villa Oppenheim, Schloßstraße 55, Di-Fr 10-17 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr, Eintritt frei. Infos: www.villa-oppenheim-berlin.de.

Susanne Schilp / susch
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