Unmut über verschwundene Schau: Charlottenburger Tor hat sein Museum eingebüßt

Von wegen Museum: Die geschlossene Pforte taugt nur noch als Fläche für Graffiti-Tags. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Es war klein, aber fein - und mit einem Schlag geschlossen: Das Tor-Museum an der Straße des 17. Juni verriegelte bereits im Februar die Türen. Geschichtsinteressierte Bürger zeigen sich darüber noch immer erbost. Gelingt die Wiederbelebung?

Wenn es nach den Informationstafeln geht, ist alles beim alten. Dann sollte man nämlich in den Nordpfeilern des Charlottenburger Tor den Eingang finden zum unterirdischen Museum. Einen Erinnerungsort an die Geschichte des neobarocken Baus anno 1908 und die Befreiung Berlins von den Nationalsozialisten am Ende des Zeiten Weltkriegs. Doch die Pforte, sie ist verriegelt und lässt Touristen ebenso wie Stammbesucher ratlos zurück. Was ist geschehen?

Im Februar dieses Jahres kam ein Vertrag vorzeitig zum Ende, der zwischen dem Bezirksamt und der Stiftung Denkmalschutz seit 2004 bestand hatte. Darin geregelt war die Wiederherstellung der beschädigten Anlage durch die Stiftung bis zum Jahre 2007. Ein Prozess, der 1,8 Millionen Euro verschlang und exakt 100 Jahre nach der Grundsteinlegung endete. Schließlich gelang unter der Regie der Stiftung sogar die Wiederherstellung der beiden knapp 22 Meter hohen Kandelaber mit jeweils acht Bogenlampen. Und ein Freundeskreis der Denkmalschützer bespielte das Museum.

Doch trotz der Erfolge kriselte es hinter den Kulissen, und die Stiftung bat, aus dem Vertrag entlassen zu werden. Baustadtrat Marc Schulte (SPD) kam dem Wunsch nach, woraufhin des Freundeskreis des Tormuseums seine Ausstellung in den Kellerräumen beendete. Aber nach Vorstellungen von SPD-Kultursprecherin Christiane Timper wird die Schließung nicht von Dauer sein. "Wir wollen hier wieder ein Museum, und auch die Fortsetzung von Lesungen und Vorträgen", bekräftigt sie ihren Antrag, wonach das Bezirksamt eine Lösung suchen soll.

Dass es überhaupt zur Schließung kam, darüber empören sich geschichtsinteressierte Bürger wie Joachim Neu. Dieser Ort ist nicht nur kulturhistorisch von Interesse, sondern auch entscheidend für die Befreiung Berlins von Nationalsozialisten", stellt er klar. Gerade in einem Jahr, da sich das Kriegsende zum 70. Mal jährt, wäre das Museum aus seiner Sicht der ideale Ort für Erinnerungsarbeit gewesen.

Dem entgegnet Kulturstadträtin Dagmar König, dass immerhin entsprechende Veranstaltungen im Bezirksmuseum Villa Oppenheim stattfindet. Was die Wiedereröffnung des Museums anbelangt, wünscht sie sich eine private Initiative. "Wir haben keinerlei Personal, die Räume selbst zu bespielen. Und unser Etat ist extrem begrenzt", macht sie deutlich. Nun beginnt also die Suche nach neuen Partnern, auch jenseits Bezirksgrenze. Was man bei einem Neustart der Ausstellung anders machen könnte, liegt für Grünen-Kulturexpertin Zitha Poethe bereits auf der Hand. "Man sollte im Interesse von Touristen die Historie auch auf englischer Sprache vermitteln. Das war bisher ein Manko."


Thomas Schubert / tsc
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