In der Dahlmannstraße lässt es sich gut leben

Die Hausnummer 11 ist eine der beiden Adressen in der Dahlmannstraße, die denkmalgeschützt sind. (Foto: Matthias Vogel)
 
Das Haus an der Dahlmannstraße 33 stand Mitte der 60er-Jahre bereits zur Hälfte leer und wurde bald abgerissen. (Foto: Bezirksbildstelle Charlottenburg)

Ein bisschen Kiez-Atmosphäre, kleine Läden und Geschäfte, in den Wohnungen der 33 Häuser lebt noch die „Berliner Mischung“: In der Dahlmannstraße lässt es sich gut aushalten. Das empfindet auch unsere Leserin Sabine Kröll so, die eine Aufnahme ihres Wohnorts in die Kiez-Kompass-Reihe der Berliner Woche anregte.

Der erste Name der 440 Meter langen Verbindung zwischen Gervinusstraße und dem Kurfürstendamm war schmucklos, weil er aus simpler Nummerierung resultierte: Straße 8. Am 8. Dezember 1906 wurde daraus die Dahlmannstraße, benannt nach dem Historiker und Politiker Friedrich Christoph Dahlmann (1785-1860), einem Mitglied der "Göttinger Sieben", jene Gruppe von Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der 1833 eingeführten liberalen Verfassung im Königreich Hannover protestierten und deshalb entlassen wurden. Dahlmann starb verbittert und resigniert. In Charlottenburg steht er allerdings mit seinem Namen Pate für eine sehr fröhlich anmutende und lebendige Straße.

Bunte Mischung

Wer sich vom S-Bahnhof Charlottenburg auf den halben Kilometer Fußweg in Richtung Ku’damm macht, entdeckt unter anderem einen Obst- und Gemüseladen, ein armenisches Restaurant, eine Shisha-Lounge, kleine Modeboutiquen, Frisöre, einen kleinen Kosmetik- und Wellnesstempel, ein Hotel, einen Autohändler und einen Taxistand, der durch das typische Dach einer offenbar ehemaligen Tankstelle nicht zu übersehen ist. „Nicht zu vergessen ist die Änderungsschneiderei, dort bringe ich gerne meine Sachen hin“, sagt Sabine Kröll. So bunt die Geschäfte in dieser Straße, so vielfältig auch Herkunft und „Status“ ihrer Bewohner. „Im Moment stimmt sie hier noch, die Mischung aus Alteingesessenen und jungen, zugezogenen Familien“, sagt Kröll. Ein wenig „fortschreitende Gentrifizierung“ habe sie aber auch bemerkt in den vergangenen Jahren.

Stolpersteine erinnern

Bezogen auf die überschaubare Länge der Straße wurden dort recht viele Berliner Stolpersteine verlegt. Gleich vor acht Hausnummern erinnern die kleinen Würfel mit Messingoberfläche an die Schicksale von Verfolgten des Nationalsozialismus, die die Dahlmannstraße als letzte, frei gewählte Adresse hatten.

Auf dem kurzen Fußmarsch fällt einem die völlig unterschiedliche Architektur der Häuser auf. Offenbar wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgerissen und nach jeweiligem Zeitgeist wieder aufgebaut. Dem einen mag das Straßenbild daher unruhig erscheinen, für den anderen hat das Charme. Zwei Adressen unterlagen nicht dem Wandel und stehen heute unter Denkmalschutz: das Haus 11 aus dem Jahr 1910 und die Hausnummer 16, fertiggestellt 1911.

Im Museum in der Villa Oppenheim sind einige Fotos aus alten Zeiten archiviert, schriftliche Dokumente gibt es außer einem alten Schulheft einer Bewohnerin und einem Pappschild mit der Aufschrift „Kellerdienst“ nicht. Auch Autor Christian Hopfe, der historisch fundierte Bildbände über Wilmersdorf und Charlottenburg veröffentlicht hat, musste passen: „Da liegt mir nichts vor.“

Schöner als in New York

Die neuere Geschichte gefällt Sabine Kröll jedenfalls sehr gut. Neben den kleinen Geschäften schätzt sie besonders die S- und U-Bahnnähe sowie die Nähe zum Ku’damm und das gute nachbarschaftliche Verhältnis in ihrem Mietshaus. Seit elfeinhalb Jahren lebt die 50-Jährige nun schon in der Dahlmannstraße. „Ich bin selbst erstaunt, länger habe ich es nirgendwo ausgehalten. Nicht einmal in New York.“
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