Aschinger-Haus: "Blumen Range" vor dem Aus

Wohin mit dem Shop? Geschäftsführer Michael Riegel (rechts), Grünen-Politiker Roland Prejawa (Bildmitte) hoffen auf einen neuen Standort. (Foto: Schubert)
Berlin: Aschinger-Haus |

Charlottenburg. Ein Strauß zu jeder Zeit: Wer nachts noch frische Blumen brauchte, kam am Traditionsshop zu Füßen des Bahnhofs Zoo nicht vorbei. Doch sollte sich nicht rasch ein neuer Standort finden, gehen bald die Lichter für immer aus.

Eine durchsichtige Zeltplane, auch zur Unzeit hell erleuchtet. Dahinter: Floristik für Eilige. "Blumen Range" - das ist ein Shop mit Bodenhaftung und rund 40-jähriger Standorttreue. Hier, an der Ecke Hardenberg- und Joachimsthaler Straße, gibt sich die City West noch kernig. Doch im März steht das Aschinger-Haus zum Abriss und soll einem modernen Geschäfts- und Bürobau weichen unter der Federführung des Investors Hines. Ob es an dieser Ecke dann je wieder nach Blumen duftet?

An Michael Riegel und seinem Team soll es nicht scheitern: "Wir waren hier seit Anbeginn", sagt der Geschäftsführer. "Alle Mitarbeiter sind mehr oder weniger Zeugen der ersten Stunde." Immer schon galt der Blumenshop als Kuriosum mit weichen Wänden: Eine Hälfte befindet sich auf öffentlichem Straßenland, die andere auf dem Grundstück des Abbruchhauses. Doppelte Abgaben, die man bisher nur dadurch aufbringen konnte, das man zu allen Tag- und Nachtzeiten offen hat.

Bei Mieten, wie sie auf dem Grundstück des Hines-Neubaus fällig werden, muss Riegel jedoch passen. Bis zum 28. Februar läuft der Vertrag. Und dann? Da droht das Ende für den Floristikladen, den Karl Ernst Range, Bruder des Generalbundesanwalts Harald Range, aus der Taufe hob.

Dass man eine solche Institution "wegsaniert", hält der BVV-Wirtschaftsauschussvorsitzende Roland Prejawa (Grüne) für einen Fehler. "Wir müssen verhindern, dass hier eine Straße verödet", ist er überzeugt. Im schlimmsten Fall erhielte man zwischen dem Nobelhotel Waldorf Astoria und dem Neubau des US-Investors Hines "ein totes Stück City West". Dass die Tradition bei der Stadterneuerung mit explodierenden Gewerbemieten nicht ausstirbt, müsse ein Auftrag sein für die Wirtschaftsförderung des Bezirks.

Michael Riegel indes will seine Hoffnungen auf eine Zukunft für seinen Laden nicht fahren lassen, "Vielleicht schaffen wir es, einige Jahre provisorisch zu überbrücken", sagt er mit Blick auf Vermieter, die ihm in ähnlich verkehrsgünstiger Lage eine Chance geben könnten. Bestenfalls fände sich in der Zwischenzeit eine Nische auf dem neu gestalteten Hardenbergplatz. Dort wird sich zeigen, ob die City West ein standhaftes Provisorium wie "Blumen Range" noch braucht.


Thomas Schubert / tsc
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