Tribut an eine Graswurzelbewegung: Flüchtlingshelfer gewinnen Integrationspreis

Eine Bewegung mit vielen Gesichtern: BV-Vorsteherin Judith Stückler und Bürgermeister Reinhard Naumann gratulierten Vertretern aller Gruppen. (Foto: Thomas Schubert)

Charlottenburg-Wilmersdorf. Niemand weiß, wie viele sie sind. Aber alle sehen, wie wirksam sie Flüchtlingen Beistand leisten. Zum Jahreswechsel erhielten die Akteure der Flüchtlingsinitiativen des Bezirks ein Preisgeld über 5000 Euro. Und wollen nun Brücken bauen statt Betten.

Sie sind diejenigen, die aufbauen. Diejenigen, die Essen austeilen. Diejenigen, die Deutsch lehren. Wenn der Staat sie braucht, sind sie zur Stelle, noch bevor der Hilfsbedarf in der Zeitung steht. Denn die ehrenamtlichen Initiativen vom Schlage „Willkommen im Westend“ oder „Wilmersdorf hilft“ organisieren sich in Echtzeit via Internet. Und sie sorgen dafür, dass die Unterbringung von Flüchtlingen so professionell funktioniert wie in keinem anderen Bezirk.

Eine „Graswurzelbewegung“ – das ist die Charlottenburg-Wilmersdorfer Helferszene in den Augen von Amei von Hülsen-Poensgen. Und dieser flexible, unbeugsame Einsatzwille aus der bürgerlichen Mitte erhielt nun in Form des Integrationspreises einen handfesten Lohn. 5000 Euro sammelten Bezirksamt, BVV und private Sponsoren, um eine Summe aufzubieten, die das übliche Maß deutlich übersteigt. Jeweils zur Hälfte geht sie an Unterstützer der Familien-Notunterkunft in der ehemaligen Poelchau-Schule am Halemweg und zur Hälfte an die Kältehilfe des Bezirks. Denn hier überschneiden sich die Belange der Flüchtlinge mit denen der Obdachlosen.

„Willkommenskultur heißt, dass wir Investoren mit offenen Armen begrüßen. Und ebenso all jene, die Krieg, Gewalt und Verfolgung entkamen“, erklärte Bürgermeister Naumann die Grundhaltung der Bürger. Jene zeigen sich zwar dankbar, aber lassen auch erkennen, dass sie nicht dauerhaft das Versagen des Lageso abbüßen wollen: „Helfer tun Dinge, die sie sich gar nicht zugetraut hatten“, sagte "Willkommen im Westend"-Mitgründerin von Hülsen-Poensgen bei der Preisverleihung. „Aber es hätte auch niemand gedacht, dass sie so weit gehen müssen.“ Und dann kam ein Satz, der den grotesken Charakter der Krise zusammenfasst: „Auf jedem Helene-Fischer-Konzert gibt es ein Konzept für medizinische Notfälle. Aber in Berlin haben wir es auch nach 87 Heimeröffnung noch nicht.“ Wenn engagierte Bürger schon den Integrationspreis gewinnen, dann müssten sie dazu übergehen dürfen, endlich Brücken zu bauen – statt Betten. tsc
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