"Raus aus der Tabuzone": Straßenaktion im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche

Mobile Gruppen informieren Sie die ganze Woche an diversen Hotspots der Stadt. (Foto: P.R.)
 
Dr. Andrea Lippkowski berät als Ärztin am Deutschen Beckenbodenzentrum im St. Hedwig-Krankenhaus Berlin über die vielfältigen Therapiemöglichkeiten. (Foto: P.R.)

Kaum jemand spricht öffentlich über das Problem, obwohl mehr als jeder zehnte Deutsche an einer Harn- oder Stuhlinkontinenz leidet – insgesamt rund neun Millionen Menschen!

Und die Zahl der Betroffenen wird in Zukunft weiter steigen: Experten haben ausgerechnet, dass in Deutschland ab dem Jahr 2067 mehr Windeln für Senioren als für Babys verkauft werden.

Der Leidensdruck von Menschen, die Urin oder Stuhl nicht bewusst zurückhalten können, ist enorm: Sie haben Angst, das Haus zu verlassen, und verstecken die Inkontinenz vor der Familie und dem Partner. Oft kennen sie jede Toilette in der Stadt und richten ihre Wege danach aus. „Viele sehen Inkontinenz als ein Hygieneproblem an. Dabei handelt es sich um ein ernstes gesundheitliches Leiden, das die Lebensqualität oft massiv einschränkt – und damit auch das Selbstwertgefühl der Betroffenen“, schildert Dr. Andrea Lippkowski, Ärztin am Deutschen Beckenbodenzentrum St. Hedwig-Krankenhaus Berlin, ihre Erfahrung.

Lebensqualität steigern

„Der erste Schritt der Inkontinenztherapie ist die Versorgung mit Inkontinenzprodukten, die bis zur erfolgreichen Therapie bzw. bei Therapieversagen dauerhaft verordnet werden sollten. Eine individuelle Versorgung mit passenden Inkontinenzprodukten kann dabei die Lebensqualität steigern. Auch eine auf die Inkontinenz abgestimmte Hautreinigung und Hautpflege ist wichtig, weil Urin die Haut angreift und dies zu Hautentzündungen führen kann.“ Unterschieden wird zwischen der Funktionellen Inkontinenz, Dranginkontinenz, Stressinkontinenz, Überlaufinkontinenz und Mischinkontinenz.

Authentische Geschichten

Im Rahmen der laufenden Straßenaktion sind noch bis zum 24. Juni 2016 rund um den Alexanderplatz und Hauptbahnhof Aufsteller zu sehen. Sie zeigen Menschen, die Hilfsmittel zur Inkontinenzhygiene tragen. Passanten, die an den Aufstellern vorbeigehen, hören über Lautsprecher authentische Geschichten von Betroffenen und erfahren spannende Fakten über die gesellschaftliche Bedeutung von Inkontinenz. Zusätzlich initiieren Aktionshelfer Gespräche über das Tabuthema mit Passanten.
Als Spezialist für Inkontinenzprodukte möchte die Hartmann Gruppe mit dieser Aktion zudem über weit verbreitete Mythen rund um das Thema Inkontinenz aufklären: „Inkontinenz ist in den Augen vieler Menschen nur eine Alterserscheinung, die hin und wieder auftritt. Doch die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens inkontinent zu werden, ist für jeden von uns enorm hoch“, hebt Dr. Andrea Lippkowski hervor. „In der Altersgruppe der über 55-Jährigen ist bereits bis zu jeder Vierte betroffen. In Altenheimen sind sogar bis zu 85 Prozent der Bewohner inkontinent.“ Die tatsächliche Zahl der Betroffenen dürfte jedoch weitaus höher sein: Oft ist ihre Scham so groß, dass sie nicht zum Arzt gehen. Experten gehen daher von einer hohen Dunkelziffer aus. Manche Spezialisten schätzen, dass Inkontinenz bei rund 60 Prozent der Betroffenen nicht diagnostiziert und damit auch nicht behandelt wird. P.R.

Weitere Standorte der Inkontinenz-Aktion

20.06.2016 - Hackescher Markt
21.06.2016 - Zoologischer Garten/Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis Kirche/Ku'damm
22.06.2016 - Friedrichstraße
23.06.2016 - Humboldt Universität Berlin/Technische Universität
24.06.2016 - Potsdamer Platz
Weitere Informationen zum Thema unter www.kontinenz-gesellschaft.de.
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.