Anwohnern geht die Verkehrsberuhigung nicht weit genug

Raser ausgebremst: Christian Bade vom Kiezbündnis Klausenerplatz hält Kunststoffschwellen für wirkungsvoll und wünscht sich noch mehr Hindernisse. (Foto: Schubert)

Charlottenburg. Kunststoffschwellen, Poller und steinerne Buckel? Ja, bitte! Und am besten mehr als bisher geplant. Engagierte Bürger am Klausenerplatz wollen eine verkehrsberuhigte Zone mit Bremskissen im ganzen Kiez.

Pechschwarz ziehen sich die Reifenspuren über den rötlichen Asphalt. Und Christian Bade kann nur mutmaßen, wie schnell jenes Auto unterwegs war, dass es hier in der Danckelmannstraße bei einer Vollbremsung solch markante Spuren hinterließ. Bade kniet vor einer Kunststoffschwelle - einem Hindernis als Erinnerung an den Status dieser Straße als verkehrsberuhigter Bereich. Den unbekannten Raser hat ihr Anblick offenbar drastisch verlangsamt. Und Christian Bade, seit Jahren in der AG Verkehr des Kiezbündnisses Klausenerplatz und der Anwohnerinititative Knobelsdorffs-Kiez aktiv, fühlt sich in seinem Glauben bestärkt. Bauliche Verkehrsberuhigungen hält er für das einzige Mittel, Raser verlässlich zu bremsen: "Wir gewinnen damit viel, sowohl Sicherheit als auch Lebensqualität."

Nachdem sich Kunststoffschwellen wie jene auf der Danckelmannstraße bewährt haben, fährt der Bezirk in Kürze noch schwerere Geschütze auf. Insgesamt sieben "Bremskissen" - es handelt sich um große Buckel aus Pflastersteinen - sollen Schleichwegfahrern die Knobelsdorffstraße verleiden. Außerdem beschlossen: ein Umbau der Kreuzung Horstweg und Danckelmannstraße für mehr Übersichtlichkeit und eine gefahrlose Querung. In diesem Herbst ernten die verkehrspolitisch engagierten Bürger also die Früchte ihrer Arbeit. Dabei würde mancher Hobbyplaner am liebsten alle motorisierten Fahrzeuge aus dem Stadtviertel verbannen. Bade gehört eher zu den gemäßigten Stimmen. Er wäre zufrieden, wenn Bremskissen flächendeckend zum Einsatz kämen. Denn Aktionen an einzelnen Stellen weckten bisher immer Begehrlichkeiten in anderen Bereichen. "Aber wir haben hier keinen Kampf der Straßen", stellt der Vermessungsingenieur klar.

Es braucht aus Sicht der Verkehrs-AG ein Gesamtkonzept für den Kiez, damit sich nicht einzelne Straßen gegen Raser "panzern" und diese auf "freie" Routen ausweichen. Hätten in dem Sinne nicht alle Anwohner ein Anrecht auf "Bremskissen?"

Anders als sein Vorgänger hält Verkehrsstadtrat Marc Schulte (SPD) weitere Maßnahmen durchaus für denkbar. "Wir verlegen jetzt Kissen in einem Pilotprojekt und werden sehen, wie sie sich bewähren", kommentiert er die Wünsche.

Um ihre Forderungen zu bekräftigen, sind die Bürger vom Klausenerplatz nun abermals in die Offensive gegangen. Eine Unterschriftenaktion soll den Wunsch nach mehr Bremshindernissen untermauern. Wer sich bis Sonntag, 14. September, noch eintragen will, findet Listen in 75 Geschäften rund um den Klausenerplatz. Und binnen kürzester Zeit nahmen schon über 550 Anwohner den Stift zur Hand, damit irgendwann alle Raser im Kiez in die Eisen steigen sollen - auf sämtlichen Routen.


Thomas Schubert / tsc
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