Notstand in den Kitas: Derzeit können keine neuen Kinder aufgenommen werden

Friedrichshain-Kreuzberg. Katja Behm ging zusammen mit Sohn Pepe (fünf Monate) ans Rednerpult der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Auch um zu unterstreichen, um welches gravierende Problem es sich bei ihrer Einwohneranfrage handelt.

In Friedrichshain-Kreuzberg können derzeit so gut wie keine Kinder in Kindertagesstätten aufgenommen werden. Nach Angaben von Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis 90/Grüne) gibt es im Jugendamt eine Warteliste, auf der aktuell rund 300 Kitasuchende verzeichnet sind.

Trotz massiven Ausbaus der Plätze auf inzwischen rund 15 000 war die Situation wegen einer gleichzeitig hohen Nachfrage bereits in den vergangenen Jahren oft angespannt. Der aktuelle Notstand hat aber vor allem eine andere Ursache: Es gibt zu wenig Erzieherinnen und Erzieher. Deshalb können selbst vorhandene Kapazitäten nicht immer völlig ausgeschöpft werden. Eine Abfrage habe ergeben, dass 160 Stellen an pädagogischem Fachpersonal fehlen, sagte Monika Herrmann. Sie vermutete sogar eine noch höhere Dunkelziffer.

Für betroffene Familien kann das nicht vorhandene Kitaangebot zur Existenzfrage werden. Vor allem, wenn dadurch die Aufnahme einer Arbeit unmöglich wird. So sei das auch bei einer Freundin von ihr, die ab Juli ein Jobangebot hätte, berichtete Katja Behm. Finde sie bis dahin aber keine Tagesstätte für ihr Kind, werde es nichts mit dieser Stelle. Sie selbst hat für Pepe mit viel Glück einen Platz ergattert. "Das traut man sich aber kaum laut zu sagen". Schon deshalb wollte sie auf die schwierige Lage für viele Eltern hinweisen.

Als Gegenmittel bleibt erst einmal nur eine Art Mangelverwaltung, etwa in Form einer Prioritätenliste. Auf freie Plätze haben zuerst Alleinerziehende einen Anspruch. Es folgen Kinder mit Anzeichen von Kindeswohlgefährdung sowie mit festgestelltem Sprachförderbedarf. Wer mit einer Klage droht, soll dagegen keine bevorzugte Behandlung erhalten. Zur Erinnerung: Ab dem vollendeten ersten Lebensjahr besteht ein Rechtsanspruch. Außerdem werde der Bezirk alles unterstützen, was für mehr Erzieher sorgt, versprach Herrmann. Gedacht sei zum Beispiel auch an das Einstellen von Fachkräften aus anderen EU-Ländern. tf
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