Kooperation zwischen Investor und Howoge

Wo inzwischen Gras wächst rücken wohl demnächst die Bagger an. das Freudenberg-Areal an der Ecke Boxhagener- und Holteistraße. (Foto: Frey)

Friedrichshain. Das Tauziehen um die Bebauung des Freudenberg-Areals zwischen Boxhagener und Weserstraße scheint beendet. Das jetzt gefundene Ergebnis steht gleichzeitig für einen neuen Weg in der Berliner Wohnungsbaupolitik.

Denn es kommt hier zu einer Kooperation zwischen dem Eigentümer des Geländes, der Firma Bauwert und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Howoge. Die sieht folgendermaßen aus: Die Howoge erwirbt zwei Gebäude auf dem 28 000 Quadratmeter großen Areal und bietet dort insgesamt 122 preisgünstige Mietwohnungen. Ihr Quadratmeterpreis soll durchschnittlich 6,50 Euro nettokalt betragen. Möglich wird das durch die Wohnungsbauförderung des Landes Berlin, über die ein Großteil dieses Angebots finanziert wird. Zum Paket gehört außerdem die geplante Kita mit 90 Plätzen, die voraussichtlich nach Fertigstellung an einen freien Träger übergeben wird.

Weitere etwas mehr 500 Wohnungen auf dem Grundstück errichtet die Bauwert. Davon soll es sich bei etwa 400 um Miet- und nur bei rund 100 um Eigentumswohnungen handeln. Das ist eine Veränderung gegenüber den ursprünglichen Plänen, bei denen noch von einem ungefähr gleich hohen Anteil von Miet- und Kaufimmobilien die Rede war. Wie zu hören war will das Versorgungswerk der niedersächsischen Ärztekammer einen Großteil der Mietwohnungen als Anlageobjekt kaufen.

Die Abmachung sieht außerdem vor, dass die Howoge den ersten Zugriff hat, sollte es zu einem Verkauf von Wohnungen aus dem Bereich der Bauwert kommen.

Die Vereinbarung wurde inzwischen auch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgesegnet. Sie hat dem Investor einen positiven Bauvorbescheid erteilt und damit Baurecht nach Paragraph 34 Baugesetzbuch geschaffen. Das bedeutet, das neue Quartier muss sich an den benachbarten Wohnungsbestand anpassen, ein extra Bebauungsplan ist aber nicht mehr notwendig.

Den wollte eigentlich der Bezirk durchsetzen, um im Gegenzug die Bauwert zu Zugeständnissen zu bewegen. Ein wichtiger Punkt war auch hier der Anteil an preisgünstigen Wohnungen. Ebenso wie der Kitabau wurden die vom Eigentümer auch zugesagt. Allerdings zuletzt nur in der Größenordnung von etwa 50.

Dazu gab es, wie mehrfach berichtet, von Anwohnern heftigen Widerstand gegen das gesamte Projekt. Die Bürgerinitiative "Ideenwerkstatt Freudenberg-Areal" wollte höchstens 300 Wohnungen zulassen und verlangte im Gegenzug einen größeren Anteil von Grünflächen sowie den Bau eines großen Stadtteilzentrums. Ein von ihr initiierter Einwohnerantrag wurde im Juni im Stadtplanungsausschuss der BVV abgelehnt. Jetzt plant die Initiative ein Bürgerbegehren.

Die bereits seit zwei Jahren andauernden endlosen Debatten haben wiederum die Bauwert dazu veranlasst, mit einem Widerspruch beim Senat vorstellig zu werden. Und sie haben wohl auch zur Vereinbarung mit der Howoge beigetragen.

Die Howoge wertet die Kooperation als beispielgebend für den Berliner Wohnungsmarkt. "Der Wohnungsneubau ist das wichtigste Instrument, um den steigenden Mieten zu begegnen", meint Geschäftsführerin Stefanie Frensch. "Private Investoren, Baugruppen, Genossenschaften und landeseigene Unternehmen müssen an einen Tisch geholt werden um gemeinsame Quartiere zu gestalten."


Thomas Frey / tf
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