Kunst im Dienst des Sozialismus: Plastiken entstanden im Auftrag der DDR-Behörden

„Vater mit Kind“ (Foto: Ralf Drescher)

Treptow-Köpenick. Die DDR gehörte zu den Staaten, in denen politisch Einfluss auf fast alle Lebensbereiche genommen wurde. Davon war auch ein Teil der Kunst geprägt.

Für unsere Serie über Kunstwerke im öffentlichen Raum haben wir drei Plastiken ausgewählt, die der Stilrichtung des so genannten Sozialistischen Realismus zuzuordnen sind. Begründet wurde diese Richtung bereits 1932 vom Zentralkomitee der KPdSU als Richtlinie für Literatur, Musik, Film und bildende Kunst. Künstler der Moderne empfanden den Sozialistischen Realismus als billige Massenkunst und gingen oft in die innere Emigration.

Davon konnte bei Ludwig Engelhardt (1924-2001) keine Rede sein. Von ihm stammt das Denkmal von Marx und Engels auf dem früheren Marx-Engels-Forum. Sein „Lesender Arbeiter“ von 1963 vor dem Schulgebäude Hänselstraße 14 zeigt alle Züge der offiziellen DDR-Staatskunst. Ähnliches lässt sich zur Bronzeplastik „Pflanzerin“ (1960) von René Graetz (1908-1974) sagen. Sie steht vor dem Wohngebäude Hänselstraße 43. Auch dieses Kunstwerk stellt die – vermeintliche – Arbeitswelt in der DDR dar. Von Graetz stammen auch Plastiken in den KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Sachsenhausen. Am Ende seines Lebens wandte er sich von der realistischen Darstellung des Menschen ab und ging zu abstrakter Kunst über. Er wurde mit dem Nationalpreis der DDR und dem Vaterländischen Verdienstorden geehrt.

Hunziger lehnte Auszeichnungen ab

Weniger staatsnah und eher menschlich wirkt die Plastik „Vater mit Kind“ im Friedrichshagener Müggelpark. Sie entstand 1958, Schöpferin war die vor wenigen Jahren hochbetagt verstorbene Rahnsdorfer Bildhauerin Ingeborg Hunzinger (1915-2009). Die Skulptur gehört zu den ersten Werken der Künstlerin im Nachkriegsberlin. Viele ihrer späteren Werke sind weit weniger realistisch als die Bronze am Ufer des Müggelsees. Übrigens hatte die eigenwillige Künstlerin ein ganz besonderes Verhältnis zu staatlichen Auszeichnungen. Sie verweigerte die Annahme von Nationalpreis und Vaterländischem Verdienstorden und nannte später einmal das „...ideologische Affentheater um die Kunst in der DDR unwürdig...“ Ihre einzige Auszeichnung erhielt sie zum 100. Geburtstag im Jahr 2015 durch die Benennung einer Straße an ihrem früheren Wohnort.RD

Eine Broschüre des Bezirksamts in digitaler Form und die komplette Liste der Kunstwerke stehen unter http://asurl.de/131z.
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