Volkshochschule trägt jetzt den Namen Gilberto Bosques

Botschafterin Patricia Espinosa Cantellano und Bürgermeisterin Monika Herrmann enthüllen die Namenstafel. (Foto: Thomas Frey)
Berlin: Wassertorstraße 4 |

Friedrichshain-Kreuzberg. Die Volkshochschule (VHS) des Bezirks heißt seit 29. Juni nach dem mexikanischen Diplomaten Gilberto Bosques (1892-1995).

Die Umbenennung fand im Rahmen einer Feierstunde am VHS-Standort in der Wassertorstraße statt, an der auch die mexikanische Botschafterin Patricia Espinosa Cantellano teilnahm. Sie enthüllte danach zusammen mit Bürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis 90/Grüne) die neue Namenstafel am Eingang des Gebäudes.

40.000 Menschen gerettet

Bosques kam 1939 als Generalkonsul seines Landes nach Paris und war nach dem Einmarsch der deutschen Truppen ein Jahr später Gesandter beim mit den Nazis kollaborierenden französischen Vichy-Regime im Marseille. In dieser Funktion hat er mehr als 40.000 Menschen zur Flucht nach Mexiko verholfen und vor dem Zugriff der Gestapo gerettet. Zu ihnen gehörten republikanische Kämpfer aus dem spanischen Bürgerkrieg, Juden, Sozialisten, Antifaschisten und Künstler wie die Schriftstellerin Anna Seghers, der Komponist Hanns Eisler oder der Journalist Egon Erwin Kisch.

Der Diplomat stellte Ausreisepapiere, Visa und teilweise auch Schiffspassagen aus. Bei Marseille mietete er zwei Schlösser, in denen Tausende Flüchtlinge bis zu ihrem Reiseantritt untergebracht, versorgt und medizinisch betreut wurden.

Als Mexiko 1942 an der Seite der Alliierten in den Krieg gegen Nazideutschland eintrat, wurden Gilberto Bosques und seine Mitarbeiter von der Gestapo verhaftet und in Bad Godesberg interniert. Im Februar 1944 kamen sie im Tausch gegen deutsche Kriegsgefangene frei.

Nach dem Krieg war er bis 1964 Botschafter in Portugal, Skandinavien und Kuba.

Vorbild im Alltag

Zu Gilberto Bosques Lebzeiten war sein humanitärer Einsatz weitgehend in Vergessenheit geraten. Erst in den vergangenen Jahren hat sich das geändert. Am Sitz der UNO in Wien wurde eine Promenade nach ihm benannt. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem ehrte ihn als "Gerechten unter den Völkern".

Die Anregung, die Volkshochschule nach ihm zu benennen, ging von der Alexander-von-Humboldt-Gesellschaft aus. Sie wurde von den Mitarbeitern der VHS aufgegriffen und mündete in einen Antrag der Grünen, Linken und Piraten in der BVV.

"Wir sind alle mit Nachrichten und Bildern von Flucht und Geflüchteten konfrontiert", heißt es in einer Erklärung der Volkshochschule. "Wir spüren alle, dass wir zu diesem Thema eine Haltung entwickeln müssen. Woran können wir uns orientieren, ausrichten?" Die Antwort darauf war das Vorbild Gilberto Bosques. tf
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