Neun Azubis starteten ihre Arbeit im Bürgeramt

Gruppenbild mit Stadtrat. Knut Mildner-Spindler und die neun Azubi-Mitarbeiter des Ausbildungsbürgeramts. (Foto: Frey)
 
Hier wird Ihnen geholfen. Anne-Kathrin Lenz und Jeremy Thomas arbeiten am Informationsschalter. (Foto: Frey)
Berlin: Ausbildungsbürgeramt |

Kreuzberg. Zu den ersten Kunden von Madeline Kundoch (20) gehört Familie Yildirim. Die Eltern und ihre beiden Kinder brauchen neue Pässe.

Souverän geht Madeline Kundoch die einzelnen Bearbeitungsschritte durch. Auch wenn sie dabei immer wieder von einem großen Presseaufgebot gestört wird, das sie befragt und fotografiert.

Denn Madeline Kundoch gehört zu den neun Lehrlingen, die am 27. April ihre Arbeit im neuen Ausbildungsbürgeramt in der Schlesischen Straße 27a begonnen haben. Wie berichtet, war dieser Standort im Juni 2014 wegen Personalmangel geschlossen worden. Was vor allem im vergangenen Sommer zu teilweise chaotischen Verhältnissen in den beiden verbliebenen Bürgerämtern in den Rathäusern Friedrichshain und Kreuzberg geführt hat. Diese Situation mit den vorhandenen Mitarbeiterressourcen zu entschärfen, war der Ausgangspunkt für das Azubi-Projekt.

Knut Mildner-Spindler (Linke), Stadtrat für Soziales und Bürgerdienste, sieht neben den jetzt wieder größeren Kapazitäten des Bürgeramtes aber noch weitere Vorteile: "Die jungen Kollegen haben hier die Chance, ihr frisch erworbenes Wissen unmittelbar anzuwenden." Auch das sei - schon wegen der immensen Belastung des Stammpersonals im Bürgeramt - in der Vergangenheit eher zu kurz gekommen. Kaum jemand hätte die Zeit gehabt, sich intensiver mit dem Nachwuchs zu beschäftigen.

Für ihren Einsatz in der Schlesischen Straße wurden die Azubis dagegen nicht nur im Vorfeld geschult, sondern können auch bei ihrer Arbeit auf den Rat von Fachkräften zurückgreifen. Vier langjährige Mitarbeiter sind ständig vor Ort.

Zum Beispiel Angela Glombitza (52), die sich in der Nähe von Madeline Kundoch und einiger anderen Kolleginnen aufhält. Ihre Aufgabe sieht sie allerdings eher als beruhigendes Korrektiv und weniger als ständig dazwischengrätschende "Übermutti". Zumal aktuell beim Anliegen der Familie Yildirim weiter alles nach Plan zu verlaufen scheint.

Ein Stock tiefer am Informationsschalter hat Jeremy Thomas (16) dagegen gerade ein Problem mit einem Schriftstück. "Da würde ich nachfragen", rät Kollegin Anne-Kathrin Lenz (34). Was Jeremy Thomas auch macht und sich mit dem Papier entfernt.

Anne-Kathrin Lenz sucht derweil den nächsten freien Termin für eine Passverlängerung. Sie wird am 19. Mai um 8.20 Uhr fündig. Gegenüber den Wartezeiten in den meisten anderen Bürgerämtern ist das eine sehr kurze Frist. Zu befürchten ist allerdings, dass sich auch in der Schlesischen Straße die Terminliste jetzt sehr schnell füllt. Nur mit vorheriger Anmeldung werden die Kunden dort bedient.

Im Gegensatz zu den meisten Kollegen, die direkt nach der Schule ihre Ausbildung begonnen haben, ist Anne-Kathrin Lenz eine Quereinsteigerin. Sie arbeitete zuvor im Einzelhandel. "Aber dann habe ich Zwillinge bekommen." Familie und Job in ihrem früheren Beruf unter einen Hut zu bringen, sei aber schon wegen der wechselnden Schichten immer schwieriger geworden. Bei den geregelten Arbeitszeiten, die sie jetzt habe, lasse sich das besser bewerkstelligen. Dazu bedeute die Aufgabe eine neue Herausforderung und mache ihr schon deshalb großen Spaß.

Aussagen, die sich wiederum mit einem weiteren Ziel von Knut Mildner-Spindler decken. Er möchte mit dem Ausbildungsbürgeramt auch Werbung für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst machen. Denn der sei auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen. Aktuell arbeiten im Bezirksamt 72 Auszubildende. 20 von ihnen haben im vergangenen Jahr ihre Lehre begonnen.

Bei den neun, die bis September in der Schlesischen Straße bleiben, handelt es sich durchgehend um angehende Verwaltungsfachkräfte. An zwei Tagen in der Woche sind sie mehr oder weniger allein für den Betrieb verantwortlich. Weitere zwei Tage gehen sie in die Berufsschule. Außerdem ist am Freitag immer "Teamtag", an dem die Woche und das eine oder andere Problem aufgearbeitet werden. An diesem Tag ist das Amt auch geschlossen.

Damit die Azubi-Gruppe die Kundenwünsche zumindest zu Beginn in Ruhe abarbeiten kann, hat sie erst einmal für jeden Termin 20 Minuten Zeit. Beim ausgebildeten Personal sind etwa zehn Minuten für ein Anliegen veranschlagt. Stadtrat Mildner-Spindler geht allerdings davon aus, dass das nicht lange nötig sein wird. "Die Auszubildenden werden wahrscheinlich bald so schnell sein, dass sie die zusätzliche Zeit als Beleidigung empfinden."

Das Ausbildungsbürgeramt ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Termine können über die Servicenummer 115, online unter: www.service.berlin.de sowie direkt vor Ort gebucht werden.

Thomas Frey / tf
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