Degewo und Senat informierten über neue Wohnanlage für Flüchtlinge

So soll die neue Wohnanlage der Degewo für geflüchtete Menschen aussehen. (Foto: degewo)
Berlin: Flüchtlingsunterkunft Bäkestraße |

Lichterfelde. An der Bäkestraße, unmittelbar am Teltowkanal, baut die Degewo eine Wohnanlage für Flüchtlinge. Zum bevorstehenden Baustart informierten Wohnungsbaugesellschaft und Senat die Anwohner über das Vorhaben. Etwa 150 Bürger waren in die Paulus-Kirche gekommen.

Drei Wohngebäude in massiver Bauweise mit insgesamt 120 Wohnungen sollen auf dem rund 8500 Quadratmeter großen Gelände an der Bäkestraße 4-6 entstehen. Sie bieten Platz für 450 geflüchtete Menschen mit Bleiberecht. In den 1- bis 4-Raum-Wohnungen werden bevorzugt Familien wohnen. Daher ist in der Anlage auch ein Wasserspielplatz geplant.

Günstige Mieten

Zunächst sollen die Bauten für drei Jahre als Wohnungen für Flüchtlinge dienen. Danach, so die Vorstellung von Degewo und Senat, können die Wohnungen auf dem mietpreisgebundenen Wohnungsmarkt angeboten werden. Gedacht wird an günstige Wohnungen etwa für Studenten. Voraussetzung dafür ist, dass es keinen Bedarf mehr an Flüchtlingsunterkünften gibt.

Explizit gegen die Flüchtlingsunterkunft äußerte sich keiner der Anwesenden. Angemerkt wurde, dass es sich bei dem Gelände um ein wertvolles Biotop handele. Stefan Krüger, technischer Projektleiter der Degewo, versicherte aber, dass es sich bei dem Grundstück um Bauland handele und nicht um ein Naturschutzgebiet.

Laut B-Plan wäre eine Bebauung von 60 Prozent der Fläche zulässig. Das Bauvorhaben beanspruche nur 22 Prozent. Vom Bauherrn seien zudem Untersuchungen zum Artenschutz durchgeführt worden, die jedes Mal negativ beschieden wurden.

Bedenken gegen die neuen Nachbarn hielten sich in der Diskussion in Grenzen. Eine Anwohnerin äußerte, dass sie Angst vor alleinstehenden jungen Männern habe. Sascha Langenbach vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) sagte dazu, dass Angst ein schlechter Ratgeber sei und ergänzte: „Bitte, haben Sie keine Angst vor ihren Nachbarn. Es sind keine unkultivierten Horden, die hier wohnen werden.“ Dafür gab es Beifall von den meisten der Anwesenden. Er machte auch darauf aufmerksam, dass es im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften keine erhöhte Kriminalität gäbe. „Gehen Sie auf die Menschen zu und Sie werden sehen, Sie werden gute Nachbarn bekommen.“ Diesen Appell richtete er auch an die Mitglieder des benachbarten Tennisclubs, die einen Mitgliederverlust befürchten.

Zu wenige Parkplätze

Für die meiste Kritik sorgte die Aussage, dass für die gesamte Anlage gerade mal 15 Pkw-Stellplätze vorgesehen sind. „Das ist ein Unding“, sagte Cornelia Seibeld, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, die als Gast der Veranstaltung beiwohnte. Man könne nicht davon ausgehen, dass die Flüchtlinge in der Regel keine Autos hätten, sondern müsse auch an die Nachnutzung denken.

Noch in diesem Winter soll der Hochbau beginnen. Noch in diesem Herbst müssen 20 bis 30 Bäume gefällt werden. Laut Zeitplan soll die neue Wohnanlage in gut einem Jahr, Anfang 2018, bezugsfertig sein. KaR
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