Minimalistisch und doch gemütlich

Im modernen Garten werden Formen und Linien des Hauses aufgegriffen und bewusste Lichtakzente gesetzt. (Foto: BJVV/Helmut Reinelt)
 
Früher musste der Garten pflegeleicht sein, heute sollte er pflegearm sein. (Foto: BJVV/Jerry Harpur)

Wohlfühlen steht im eigenen Garten an erster Stelle. Schick aussehen soll das kleine, grüne Paradies am Haus aber auch. Derzeit ist Purismus angesagt.

"Zunächst denkt man dabei an einen sterilen, quadratischen und praktischen Garten", sagt Brigitte Röde, Landschaftsarchitektin aus Köln. Bei ihren Kunden beobachtet sie, dass der Garten aber sehr individuell bepflanzt sein sollte. Und: "Es geht den Menschen heute ganz deutlich um das Wohlfühlen im Garten, wobei dieses Gefühl nicht mit dem Modebegriff Wellness gleichgesetzt wird." Für Peter Berg, Buchautor und Gartenbau-Techniker aus Sinzig (Rheinland-Pfalz), sind modern-minimalistische Gärten "ideale Orte, in denen Strenge und Freiheit formuliert, aber nicht diktiert werden". Ein entscheidendes Merkmal des modernen Gartens sieht er in der Beziehung zwischen Garten und Haus. "Der Garten ordnet sich nicht mehr der Architektur unter, sondern stellt die Verbindung zur Kulturlandschaft dar", erläutert der Gartenbaumeister.

Das wird umgesetzt, indem Formen und Linien der Architektur des Hauses im Garten aufgegriffen und fortgesetzt werden. Dabei wird das Grün hinter dem Haus als bewusster Kontrast zum schnellen, hektischen Alltag eingesetzt. Der Garten wird zum Ruhepol. Die Beete sind nicht überladen, sondern reduziert bepflanzt. Sie werden außerdem harmonisch gestaltet. Und bewusst ausgewählte Accessoires wie eine schöne Gartenlampe setzen Akzente. Zugleich aber scheint der Garten endlos zu sein. "Die Grundstücksgrenze als solche wird nicht definiert", sagt Berg.

Das Gartenstück wird auch mit der Innenarchitektur des Hauses in Verbindung gesetzt: "Der Garten wird aus der Wohnung heraus erlebt", sagt Röde. So wird der Bereich, den die Bewohner durch die Scheibe sehen, bewusst so bepflanzt, dass sie etwas Besonderes wie einen Brunnen oder einen Rosenbogen sehen. Das Fenster wirkt dann wie ein Wandbild.

Recht weit oben auf der Wunschliste ihrer Kunden steht nach Aussage von Gartenarchitektin Röde ein Pool. "Mit dem Wasserbecken werden Urlaub, Wohlfühlen und Entspannung assoziiert", erklärt sie. Manchmal reicht schon ein kleines Becken, um das Gefühl zu erzeugen. Auch mit weiteren Elementen wird im Garten inzwischen gespielt: Neben Luft und Wasser kommt Feuer immer häufiger vor. "Dieser Wunsch kann beispielsweise mit Feuerschalen auf der Terrasse umgesetzt werden", sagt Röde.

Klare Formen kennzeichnen den modernen Garten - das zeigt sich in der Materialauswahl. "Großformatige Platten sind sehr beliebt", erläutert Röde. Die Expertin berichtet, dass sich ihre Kunden entweder gerne für heimische Natursteine oder für Beton entscheiden. Die Option, billige Importware zu verwenden, scheidet für viele aus. "Auch bei Hölzern legen die Kunden Wert darauf, zertifizierte Ware zu verwenden." Die Pflanzen sollen laut Berg etwas Besonderes sein - keine Allerweltsbäume, die in jedem Garten stehen. "Ich verwende gerne ungewöhnliche Gehölze wie den Persischen Eisenholzbaum, der nicht zu schnell wächst und ohne Zutun ein schönes Astgerüst entwickelt", erzählt der Gartenbau-Techniker Berg. Mit Gräsern gestaltet er Linien und setzt einen Kontrast zu farbigen Blüten.

Literatur: Peter Berg: "Moderne Gartenarchitektur - minimalistisch, formal, puristisch", Becker Joest Volk Verlag, 49,90 Euro, ISBN 978-3-938100-28-8.

dpa-Magazin / mag
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