Fischerinsel-Hochhaus gekippt? WBM signalisiert Kompromissbereitschaft

WBM-Chef Jan Robert Kowalewski (Mitte) und Baustadtrat Ephraim Gothe diskutieren mit Anwohnerin Brunhilde Wildegans den achtgeschossigen Entwurf der Blauraum Architekten. (Foto: Dirk Jericho)
 
Das Hochhaus aus der Sicht vom Mühlendamm. (Foto: DMWS/bzz)
Berlin: Fischerinsel-Neubau |

Mitte. Das von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) geplante Hochhaus auf der Fischerinsel wird wahrscheinlich nicht gebaut. Die Anwohnerproteste könnten Erfolg haben.

„Ich möchte kein Aufflammen der Hochhausdiskussionen“, sagte Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) am Ende der Versammlung im Rathaus Mitte am 14. August und erntete dafür Applaus von den knapp 100 Bürgern. Und auch die WBM scheint ihre Hochhauspläne langsam zu begraben. Der umstrittene Wohnturm auf dem Eckgrundstück Fischerinsel und Mühlendamm ist zwar nach wie vor die Vorzugsvariante der WBM, aber Geschäftsführer Jan Robert Kowalewski sieht auch die achtgeschossige Blockrandbebauung vom Büro Blauraum Architekten für machbar. Der Entwurf war nach dem europaweiten Wettbewerb von Senat und WBM nur auf dem dritten Platz gelandet.

Die Jury kürte 2015 die Hochhausidee des Berliner Büros DMSW zum Sieger. Demnach ist eine U-förmige Blockrandschließung entlang Fischerinsel und Mühlendamm mit acht Geschossen geplant, aus deren Sockel am Mühlendamm zur Mühlendammbrücke hin ein 19-geschossiges Hochhaus (58 Meter) emporwächst. Gegen diese Pläne gab es von Anfang an massive Proteste. Anwohner hatten 1000 Unterschriften gegen den Wohnturm gesammelt. Die Fischerinsel-Initiative fordert eine „Bebauung mit Augenmaß“, wie Dieter Raab auf der Bürgerversammlung sagte.

Bezirk sagte Nein

Der damalige Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) hatte im vergangenen Jahr eine Bauvoranfrage der WBM negativ beschieden, weil das 19-geschossige Hochhaus nicht in die Umgebung passe und die bestehenden Strukturen störe, wie er begründete. In den bisherigen Bebauungsplänen ist auf dem Grundstück auch kein Hochhaus vorgesehen. Die WBM wollte das Neubauprojekt im vereinfachten Baurechtsverfahren nach Paragraph 34 durchziehen. Projekte sind demnach genehmigungsfähig, wenn sie sich in die Umgebung einfügen. Für alles andere müssen B-Pläne aufgestellt werden, bei denen die Bürger umfassend beteiligt werden müssen.

Das Projekt ist seit dem Bezirks-Nein blockiert. Der eingereichte Widerspruch ruht, weil die neue Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) kein Hochhaus will. Die Fischerinsel ist eine Hochburg der Linken. Lompschers Vorgänger Andreas Geisel (SPD) hatte per Brief noch Druck auf den Bezirk gemacht, dass WBM-Hochhaus zu genehmigen.

In einer Ausstellung hatte die WBM nochmal Alternativvarianten zur Diskussion gestellt und für ihr Hochhausprojekt geworben. Bürger konnten sich im Juli und August über sechs Planungsvarianten informieren und ihre Meinungen einbringen. Auch eine minimal abgespeckte Version mit nur 17 Geschossen war dabei. Unter den sechs Varianten war auch ein Vorschlag der Fischerinsel-Initiative für eine achtgeschossige Blockrandvariante.

Weniger Wohnungen

Baustadtrat Ephraim Gothe plädiert für den Entwurf der Blauraum Architekten, den damals Drittplatzierten. In dem achtgeschossigen Gebäude hätten 180 Wohnungen Platz, 28 weniger als in der Turmvariante. Zudem wäre der gesamte Innenbereich überbaut mit einem Geschoss. Darauf könnte vier Meter über dem Boden eine Grünanlage mit Spielplatz entstehen, so Gothe. Barrierefrei wäre der Dachpark wohl kaum zu erreichen.

Wie WBM-Chef Kowalewski sagte, werden die WBM-Gremien am 5. September über die drei verbliebenen Varianten (19-Geschosser, 17-Geschosser oder nur achtgeschossige Bebauung) beraten. Er sagte jedoch, dass das Blauraum-Konzept teurer wäre. Die WBM könne den Bau mit weniger Wohnungen und die bisher entstandenen siebenstelligen Mehrkosten wegen Bürgerbeteiligung und Umplanungen nur refinanzieren, wenn der Senat die WBM von der Kooperationsvereinbarung freistellt. Die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften hatten sich erst vor kurzem verpflichtet, bei Neubauten 50 Prozent der Wohnungen zu 6,50 Euro pro Quadratmeter anzubieten. Die andere Hälfte soll im Durchschnitt nicht teurer als zehn Euro je Quadratmeter sein.

Gothe will jetzt mit dem WBM-Aufsichtsrat reden und für die Blauraum-Variante werben. Laut Kowalewski will die WBM Anfang Oktober verkünden, was gebaut wird. Nach derzeitigen Plänen wäre der Neubau auf der Fischerinsel Ende 2021 fertig, der WBM-Favorit mit dem Wohnturm bereits ein Jahr früher, weil hierfür die Planungen viel weiter sind. Der Blauraum-Entwurf wurde als Wettbewerbsdritter von den Architekten bisher nicht weiterbearbeitet. DJ

Die komplette Wettbewerbsdokumentation mit dem Sieger-Hochhaus und dem jetzt wieder diskutierten Entwurf der Blauraum Architekten gibt es im Internet unter http://t1p.de/3kj6
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