Wolfgang Feyerabend schrieb über die Rosenthaler Vorstadt

Wolfgang Feyerabend schrieb ein Buch über die Rosenthaler Vorstadt. (Foto: Kahle)

Mitte. "Die Rosenthaler Vorstadt" hat Wolfgang Feyerabend unzählige Male erlaufen und mit dem Fahrrad durchquert. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben. Zwischen Rosenthaler Platz und Bernauer Straße gelegen, von Garten- und Schwedter Straße gefasst, finden sich hier Tradition und Brüche Berlins auf engstem Raum.

Die Mauergedenkstätte Bernauer Straße, Schinkels Elisabethkirche, das ehemalige Kaufhaus Jandorf, Galerien, Handel, Wandel, Wohnen und Wirken machen die Rosenthaler Vorstadt zu einem der geschichtsträchtigsten und quirligsten Viertel der Hauptstadt.

Der Autor Wolfgang Feyerabend, 1951 in Wittenberg geboren, wuchs in Leipzig auf und studierte Germanistik. Nach dem Studium arbeitete Feyerabend zunächst als Lektor im Kinderbuchverlag Berlin, den er nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR und der darauf folgenden Ausreisewelle bedeutender Künstler verließ. "Die Reglementierungen und ideologischen Gängelungen machten mich krank", erinnert er sich. Seitdem arbeitet er als freier Autor. Zunächst schrieb er Hörspiele und Literaturkritiken für den DDR-Rundfunk.

Das Ende der DDR zwang auch Wolfgang Feyerabend zu einer beruflichen Neuorientierung. Der DDR-Rundfunk wurde abgewickelt. Dem Autor blieben noch ein paar Rezensionen für die Wochenpost. Doch davon konnte er nicht leben. "Ende 1991 meldete ich mich arbeitslos. Ich bekam eine ABM-Stelle in einem Forschungsprojekt, das sich mit Berlin-Geschichte befasste und fing Feuer. Meine neue Geschäftsidee war geboren", sagt Wolfgang Feyerabend. 1995 gründete er die Agentur Berliner Autorenführungen mit angeschlossener Buchhandlung, die auf Berlin-Bücher spezialisiert war. Der Autor bot - zunächst mit Kollegen, später allein - thematische Stadtführungen an. Aus seinen umfangreichen Recherchen entstanden zahlreiche Berlin-Bücher.

Seit 1978 lebt er in Berlin, davon 14 Jahre in der Rosenthaler Vorstadt. "Und doch entdecke ich immer wieder Neues", bekennt er beinahe erstaunt. Zugleich bedauert er den Wandel zum Szenekiez, verbunden mit steigenden Mieten und der Verdrängung der alteingesessenen Bewohner. Feyerabend nimmt uns in dem neuen Buch mit auf eine lesenswerte historische und kulturgeschichtliche Wanderung durch einen Berliner Kiez, der in den Wedding, nach Mitte und in den Prenzlauer Berg hineinreichte. Er lässt uns teilhaben an den Schicksalen der Menschen, die hier lebten, wirkten oder hier begraben wurden, zeigt uns die Wunden der deutschen Teilung. Feyerabend lenkt dabei unseren Blick auf historische, verschwundene und neue Gebäude und erzählt deren spannenden Geschichten. Die Rosenthaler Vorstadt als Handwerkerkolonie gegründet, war Armenviertel, prosperierende Vorstadt, Stadtumbaugebiet und gehört heute wieder zu Berlins Mitte.

Wolfgang Feyerabend, Die Rosenthaler Vorstadt, Berlin 2015; 19,80 Euro; ISBN 978-3-939629-28-3.

Michael Kahle / m.k.
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