DDR-Stühle vorm Fernsehturm

Probesitzen am Alex. Kunstschmied Achim Kühn hat zwei originale Exemplare der DDR-Stühle mitgebracht. Jan Stöß (rechts) findet sie bequem. (Foto: Josephine Steffen)
 
SPD-Chef Jan Stöß hat mit dem Künstlerehepaar Helgard und Achim Kühn am Neptunbrunnen die DDR-Stühle ausprobiert. (Foto: Josephine Steffen)
Berlin: Neptunbrunnen |

Berlins SPD-Chef Jan Stöß will mit Ostalgie im neuen Wahlkreis punkten

Mitte. Der SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß tritt 2016 zur Abgeordnetenhauswahl als Direktkandidat für den Wahlkreis II in Alt-Mitte an. Für den Alexanderplatz als Herzstück des prominenten Wahlkreises hat er einen überraschenden Vorschlag.

Über 200 Stahlstühle standen zu DDR-Zeiten rund um die Kaskaden am Fernsehturm, weitere auf dem Boulevard Unter den Linden. Die Leute konnten sich hinsetzen wie sie wollten, die Stühle im Kreis aufstellen oder mit der Sonne drehen. „Eine tolle Sache“, findet SPD-Chef Jan Stöß. „Ich kenne das aus Paris und es passt super zu Berlin“, so der SPD-Mann. Im Jardin du Luxembourg gibt es auch Stühle, die nicht am Boden festgeschraubt sind. Im Zuge der Diskussionen um die Gestaltung des Rathausforums wäre die Stuhloffensive „ein erster Schritt, dass sich was verändert“, glaubt Stöß. Die Leute sollen sich wieder gern auf dem Alex und um den Fernsehturm aufhalten. „Bisher ist das ein unwirtlicher Ort“, so der Politiker. Stöß hat die DDR-Stühle mit pulverbeschichteten Stahlstreben auf alten Fotos gesehen und recherchiert, dass sie seinerzeit vom Kunstschmied Achim Kühn (72) entworfen wurden. Der Metallbildhauer hat in seinem Atelier in Grünau noch zwei Exemplare; sein Alex-Modell mit Stahlgitter von 1970 und einen Stuhl mit weißen Holzleisten, den Achim Kühns Vater Fritz für den Linden-Boulevard entworfen hatte. Stöß lobte beim Probesitzen am Neptunbrunnen das „moderne DDR-Design“. „Man sitzt da erstaunlich gut drauf.“
Nach der Wende sind die DDR-Stühle verschwunden. Wohin, weiß Helgard Kühn, Frau des Künstlers, auch nicht. „Die stehen bestimmt auf Balkonen in Mitte und Prenzlauer Berg“, vermutet Stöß. Die Kühns würden sich sehr freuen, wenn ihre Werkstatt einen Auftrag für neue Stühle im DDR-Design der 1970-er-Jahre bekäme. Damit sie nicht geklaut werden, könnten sie nachts angekettet oder weggeschlossen werden, so Jan Stöß. Er fordert für mehr Sicherheit auf Alex und Rathausforum auch ein Platzmanagement sowie eine ständige Kombiwache mit Landes- und Bundespolizisten sowie Mitarbeitern vom Ordnungsamt. Die Stühle will Stöß auch auf den Alexanderplatz stellen. Dort wurmt ihn der ständige Budenrummel. „Der Platz ist oft alles andere als attraktiv. Der Rummel muss deutlich reduziert werden“, fordert der SPD-Chef.
Mit der Stuhlgeschichte will Jan Stöß im kommenden Wahlkampf punkten. Das Gebiet rund um den Alexanderplatz ist Hochburg der Linken, die SPD konnte hier noch nie ein Direktmandat gewinnen. Bei der Wahl 2011 hat die damalige Arbeitssenatorin Carola Bluhm (Linke) die meisten Stimmen im Wahlkreis (Spandauer Vorstadt, Museumsinsel, Alexanderplatz, Unter den Linden, Friedrichstraße) geholt. Ob sie 2016 wieder antritt, ist noch unklar. Jan Stöß wird auf dem SPD-Parteitag im Dezember nominiert. Stefan Draeger von der SPD-Fraktion in der BVV, der wieder SPD-Direktkandidat für den wichtigen Wahlkreis werden wollte, hat seine Kandidatur zurückgezogen. Jan Stöß möchte mit der DDR-Bestuhlung „die besondere Qualität dieses Ortes wieder aufleben lassen“ und „an tolle Geschichten erinnern.“ CDU-Fraktionschef Thorsten Reschke bezeichnet Stöß´ Stuhlvorstoß als „Wahlkampf“ und „inhaltsleer“. „Während in aktuellen Workshops und Bürgerbeteiligungsverfahren darüber diskutiert wird, wie das Areal entwickelt werden soll oder wie die Gewalt im Umfeld des Alexanderplatzes gesenkt werden kann, kommt die Aufforderung, worauf man sich am Alex zu setzen hätte, wohl zum falschen Zeitpunkt“, so Reschke. DJ
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