Baubeginn für Zentralcampus der Schauspielschule 2014

Die "Werkstätten der Staatstheater", wie das Fabrikgebäude zu DDR-Zeiten hieß, werden noch von Partyveranstaltern genutzt. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Nach den erfolgreichen Protesten im Frühsommer 2012 zieht die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch (HfS) 2017 in die Opernwerkstätten am Nordbahnhof. Die Ausbaupläne der alten Fabrikgebäude müssen jedoch abgespeckt werden.

Die Proteste im vergangenen Mai waren unüberhörbar. Die Schauspielstudenten hatten vor dem geplanten Zentralcampus in den früheren Opernwerkstätten in der Zinnowitzer Straße ein Protestcamp aufgebaut und sogar die Talkshow von Günther Jauch gestürmt. Ihre Wut richtete sich gegen die SPD-CDU-Regierung, die die Ausbaupläne der alten Fabrikgebäude gestoppt hatte und stattdessen die vier maroden und zum Teil asbestbelasteten Standorte in Schöneweide, Lichtenberg und Prenzlauer Berg sanieren wollte. Die Revolte war erfolgreich: Die 220 Studenten für Puppenspiel, Schauspiel, Regie und Choreografie bekommen ihren seit vielen Jahren ersehnten Zentralcampus in Mitte.

Das Abgeordnetenhaus hat im Dezember 33 Millionen Euro freigegeben. Weil die letzten Planungen mit 36 Millionen Euro darüber lagen, müssen die Architekten abspecken. Derzeit überarbeitet das Architekturbüro Ortner & Ortner Baukunst, das 2011 den Senatswettbewerb gewonnen hatte, das Konzept. Teilabriss und Umbau sollen Anfang 2014 beginnen, wie HfS-Rektor Wolfgang Engler sagte. Vorher geht es nicht, weil die Opernwerkstätten 2013 noch an ein Nobelrestaurant vermietet sind. Die Agentur Pret a Diner nutzt das Haus als exklusive Partylocation. Zur Fashion Week gab es in der Fabrikhalle zum Beispiel Modenschauen.

Um die Kosten zu drücken, wurde vor allem der markante Bühnenturm gestutzt. Der mit einer Holzkonstruktion verkleidete Quader wird an die Stirnseite des alten Fabrikgebäudes angebaut. Statt 30 Meter wird er jetzt nur noch 24 Meter hoch, wie Architekt Roland Duda erklärt. Damit überragt der Turm das Fabrikgebäude nur noch um einen Meter.

Zwischen den zwei jeweils 300 Quadratmeter großen Studiobühnen hatten die Architekten ursprünglich eine schicke Bibliothek geplant. Die Bücherebene war durch die geöffnete Holzfassade besonders hervorgehoben. Nun soll die Bibliothek völlig unspektakulär im Bestandsgebäude untergebracht werden, in dem rund 40 Probebühnen und Studios für die Schauspielkurse und etwa 20 Seminarräume für den theoretischen Unterricht entstehen. Bei einer der großen Studiobühnen im Holzturm muss ebenfalls abgespeckt werden. "Die technische Ausstattung wird wahrscheinlich reduziert", sagt HfS-Sprecherin Claudia Kießling.

Dem Rotstift zum Opfer gefallen ist auch der Glasaufbau auf dem Seitenflügel für einen "besonderen Bürobereich", so Duda. Dieses Luxusloft für den Rektor, "wollte die Hochschule sowieso nicht", weiß der Architekt.

Im Zuge der Protestaktionen hatten sich die Schauspielstudenten auch bereiterklärt, auf die Mensa zu verzichten. Doch der gläserne Anbau für Cafeteria und Mensa links vom Haupteingang kann gebaut werden: Der Bund hat unerwartet die Kosten von rund 850 000 Euro übernommen. 2017 soll die neue Schauspielschule eröffnen.


Dirk Jericho / DJ
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