Horst Giese betreibt privates Holzkunstmuseum

Aus einem Wurzelstück entsteht eine Koralle. Dabei steht Holzkünstler Horst Giese der 11-jährigen Miriam mit Rat und Tat zur Seite. (Foto: Kahle)

Marienfelde. Horst Giese liebt die Natur. Von und mit ihr lebt und lernt er. In seinem großen Garten fühlt er sich wohl, wie übrigens auch die gezählten über 40 einheimischen Vogelarten. Hierher, in sein privates Holzkunstmuseum, lädt er gern Besucher ein.

Der selbst gestaltete Pavillon zum Verweilen ist zugleich Insektenhotel, Spielplatz und "Baumarkt" für die tierischen Besucher und Bewohner. Aus der Natur bezieht Horst Giese die Inspiration für seine Kunst. Im Garten, im Wald, auf Holzplätzen findet der pensionierte Postbeamte und Autodidakt mit hohem künstlerischen Anspruch jenes Material, aus dem dann seine geschnitzte Kunst entsteht.

Bereits im Fundstück erkennt Giese das spätere Kunstwerk - ob gegenständlich oder abstrakt. Natur, Kultur, Religion, Krieg und Frieden, Politik und Geschichte sind seine Themen. "Die Natur ist der Künstler, ich bin nur der Dekorateur", kokettiert Giese.

Seine Kunst ist unverkäuflich. Inzwischen füllt sein Werk das gesamte Wohnhaus, das damit zum privaten Museum wurde. Er erhebt keinen Eintritt. Seine rund dreistündigen Führungen sind kostenlos. Allenfalls verleiht er seine Exponate an Kirchen und Wissenschaftseinrichtungen oder gestaltet damit seit 1997 Ausstellungen zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

"Ich will informieren und anregen, wie und womit sich jeder, der die Natur liebt, beschäftigen kann", sagt Giese. Ehrenamtlich hält er Vorträge zu Geschichte, Holzkunst und Naturschutz.

In Lübars geboren, lebt Horst Giese schon seit seinem fünften Lebensjahr in Marienfelde. Seine Jugend war durch Krieg und Nachkriegszeit geprägt. "Da hieß es, die Ärmel aufkrempeln und mit anpacken."

So begründet er auch seine Einstellung zum Ehrenamt. Dazu zählen der Aufbau und die Leitung eines Jugendpostheimes nach dem Kriege. Angeregt durch den Mauerbau und die damit verbundene Lage Marienfeldes begann er 1961, eine Ortschronik aufzubauen. 1981 kamen historische Stadtführungen hinzu.

Horst Giese und seine Frau Gerda, die seit 1958 verheiratet sind, nutzen heute, was der eigene Garten hergibt. Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft, die inzwischen seit mehreren Generationen zu ihnen kommen, werden bei dieser Arbeit einbezogen und lernen spielerisch den Kreislauf der Natur kennen. "Ich bin gern hier", sagt Miriam. Für die Elfjährige stehen heute Bastelarbeiten in der Holzwerkstatt, Obstsaftgewinnung und gemeinsames Kochen mit Gieses Ehefrau auf dem "Stundenplan". Horst Giese lebt seinen kleinen und großen Besuchern vor, wie man in einer übersättigten Mediengesellschaft ohne Telefon, Computer, ohne Fernseher und ohne Auto auch in der Großstadt im Einklang mit der Natur durchaus gut leben kann. "Heutzutage hat sich das Leben sehr gewandelt. Es gibt nur einen Chef, den Computer", bedauert Giese. "Alles bricht zusammen, wenn der mal ausfällt." Glücklich seien diejenigen, die sich dann beschäftigen können. So wie Horst Giese, der gern den Erfahrungsschatz seines erfüllten Lebens teilt. Derzeit gibt er neun Jungen und 43 Mädchen in seiner Holzwerkstatt und seinem Holzmuseum Einblicke in Kunst und Lebenshilfe.

Wer das Museum näher kennenlernen möchte, schreibt einen Brief oder eine Karte an Horst Giese, Pfabener Weg 8, 12279 Berlin. Und wenn eine Telefonnummer angegeben wird, ruft Horst Giese gern zurück und vereinbart einen Termin.

Michael Kahle / m.k.
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