Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer unterwegs am Antonplatz

Weißensee. In Weißensee begann 1922 Marlene Dietrichs Kinokarriere. Die 20-jährige Theaterschauspielerin an den Reinhardt-Bühnen trat hier zum ersten Mal vor die Kamera des Joe-May-Studios.

Sie spielte im Vierteiler "Tragödie der Liebe" eine Nebenrolle, Vorübung für jene Tonfilme, die sie dann in Neu-Babelsberg und Amerika zur Filmgöttin werden ließen. Das Kino "Toni" heißt seit 1948 so und hat als einziges der alten Weißenseer Kinos bis heute überlebt. Schon 1919 begann der Spielbetrieb im Neubau eines "Wohnhauses mit Lichtspieltheater". Vor 20 Jahren kaufte Filmregisseur Michael Verhoeven das Traditionshaus. Seine Ehefrau, die Schauspielerin Senta Berger, und er sind bei ihren Besuchen aus München immer wieder ein fester Posten in Weißensees Kulturszene. Senta Berger schwärmt vom anspruchsvollen Antonplatz-Publikum, das von früher auch ihre italienischen Filme kennt, die anderswo keinen Verleih fanden.

Der Verein der Freunde des Kinos "Toni" sorgt für pfiffige Programmideen, und sogar kleine Festivals gibt es in beiden Sälen. So ist es kein Wunder, dass es schon die Berlinale bis in das angestammte Kiezkino schaffte. Ringsum tobt am Antonplatz, dem charmanten Eingangstor der einstigen Gemeinde, seit den 1880er Jahren städtisches Leben, ganz nahe der alten Berliner Stadtgrenze. Weißensee hatte es trotz zweier Anläufe nicht zur eigenständigen Stadt im Landkreis Niederbarnim geschafft.

Dabei ist hier mit viel Geld spekuliert worden, damit aus dem ehemaligen Gut die Gemeinde Neu-Weißensee und - nach der Vereinigung mit dem historischen Dorf im Nordosten - eine moderne Kommune wurde. Namen des Hamburger Großkaufmanns Gustav Adolf Schön, seines jüngeren Bruders Anton, des Geschäftspartners J.E. Langhans, Inhaber eines Hamburger Handelshauses, und Namen einiger weiterer damals beteiligter Unternehmer und Honoratioren sind seit fast 140 Jahren Platz- und Straßennamen im "Gründerviertel".

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist nahe dem Antonplatz am alten Kreuzpfuhl das Munizipalviertel entstanden. Architekt Carl James Bühring entwarf großzügige Backstein-Wohnbauten im Grünen. Gleich um die Ecke, in der Tassostraße 21, lebte der Grafiker Werner Klemke, 1917 in der Gemeinde Weißensee geboren. Jung und Alt kennen seine Illustrationen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.

Die einstündige Führung mit Bernd S. Meyer, dem Mann mit der Leiter, beginnt am Sonnabend, 27. Oktober, um 11 Uhr. Treffpunkt ist auf dem Antonplatz vor dem Kino "Toni". Verkehrsverbindung: Über S-Bahnhof Greifswalder Straße S 9, 41, 42 und Straßenbahnlinien M4, M12 und M13.

Die Teilnahme ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 26. Oktober, 10 bis 12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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