Standesamt Mitte registriert Personendaten nur noch in digitaler Datenbank

Uwe Strunk am Bücherpaternoster, in denen Akten von Menschen stehen, die im Bezirk Mitte geboren wurden, geheiratet haben oder gestorben sind. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Seit dem 20. August werden Geburten, Sterbefälle, Heiraten oder Lebenspartnerschaften nur noch elektronisch registriert.

Vier tonnenschwere Bücherpaternoster rattern vom Keller bis zur zweiten Etage im Standesamt Mitte im Neuen Stadthaus in der Parochialstraße 1/3. Die insgesamt 152 Regalböden - jeder drei Meter lang - sind vollgepackt mit Büchern, in denen über zwei Millionen Akten über Geburten, Ehen und Sterbefälle in Mitte, Wedding und Tiergarten abgeheftet sind. Seit 1874 beurkunden diese Personendaten in Deutschland die Standesämter. Davor haben das die Kirchen gemacht. Es sind enorme Aktenberge, die seitdem angewachsen sind. Und jährlich kommen in Mitte pro Jahr rund 5000 Geburten, 4500 Sterbefälle und 1700 Eheschließungen hinzu. Für jeden Fall muss ein sogenanntes Register, früher Buch genannt, angelegt werden. Bisher haben das die Standesbeamten auf Papier ausgedruckt und in den Büchern archiviert. Zukünftig werden die Datensätze nur noch digital im sogenannten Elektronischen Personenstandsregister, einer riesigen Datenbank, angelegt. Die Bürger bekommen auf Wunsch weiterhin Urkunden auf Papier.Laut geändertem Personenstandsgesetz von 2009 ist die elektronische Registerführung ab 1. Januar 2014 Pflicht. Berlin beginnt erst jetzt damit, sechs der 13 Standesämter haben gerade umgestellt. Zukünftig können alle Urkunden an jedem Ort verfügbar sein. Bisher muss man zu den jeweiligen Standesämtern rennen; eine aufwendige Angelegenheit, wenn die benötigten Urkunden in ganz Deutschland verteilt sind. "Es wäre wünschenswert, die vorhandenen Akten ebenfalls zu digitalisieren", sagt Standesamtschef Uwe Strunk. Doch Millionen Akten einzugeben, sei unmöglich. Anlassbezogen, also wenn ein Mitarbeiter wegen beantragter Abschriften, zum Beispiel zur Klärung von Erbschafts- oder Rentenangelegenheiten, ein Blatt aus dem riesigen Aktenpaternoster zieht, sollen die Daten in die Datenbank übertragen werden. Das Papierblatt wird danach ungültig gestempelt.

Nach dem neuen Personenstandsgesetz müssen die Standesämter die Bücher oder Register nicht mehr unbefristet aufheben. Geburtenfälle werden nach 110 Jahren, Ehen nach 80 Jahren und Sterbefälle nach 30 Jahren ins Landesarchiv Berlin am Eichborndamm in Reinickendorf gebracht. Uwe Strunk hat bereits 650 laufende Meter Urkunden abgegeben. Im Keller stehen dennoch - zusätzlich zu den vier Bücherpaternostern - riesige Archivregale mit weiteren 1,2 Kilometer langen Leitzordnern. In den sogenannten Sammelakten befindet sich der ganze zusätzliche Schriftverkehr - Anträge, Mitteilungen und vieles mehr - zu jeder Person.


Dirk Jericho / DJ
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