Straßenbehörde ordnet Abbau der "Bethlehemkirche" an

Die temporäre Kunstinstallation "Bethlehemkirche" muss spätestens Ende Juli abgebaut sein. Anderenfalls reißt der Bezirk sie ab. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Die Kunstinstallation "Bethlehemkirche", die seit Juni 2012 auf dem kleinen Bethlehemkirchplatz an der Mauer- Ecke Krausenstraße steht, muss weg. Der für Sondernutzungen im öffentlichen Straßenland zuständige Behördenleiter Harald Büttner hat dem spanischen Künstler Juan Garaizabal am 11. Juni die Abrissverfügung nach Spanien geschickt.

21 Tage nach Erhalt des Briefes muss Garaizabal "sämtliche Anlagen und Teile der Skulptur vom öffentlichen Straßenland Berlins entfernen", heißt es. Anderenfalls werde der Bezirk sie kostenpflichtig beseitigen. 7500 Euro veranschlagt Büttner dafür.

Die Stahlskulptur ist 30 Meter hoch und erinnert an die 1737 fertiggestellte Bethlehemkirche, die 1943 in Schutt und Asche gebombt und 1963 vom Ostberliner Magistrat abgerissen worden war. Die Kirche, auch Böhmische Kirche genannt, wurde für böhmische protestantische Exulanten erbaut und steht für die religiöse Toleranz Berlins. König Friedrich Wilhelm I. erlaubte den böhmischen Flüchtlingen die Ausübung ihrer Religion in tschechischer Sprache und beförderte ihre Integration.

Das temporäre Aufstellen der Skulptur mit dem Titel "Wandering Church" hatte das Bezirksamt bis Oktober 2012 genehmigt und nach Antrag des Künstlers bis Ende 2013 verlängert. Elf Berliner Geschichtsvereine fordern seit Monaten den dauerhaften Erhalt der Skulptur.

Wie Kulturstadträtin Sabine Weißler (Bündnis 90/Grüne) sagt, hat die bezirkliche Kommission Kunst im Stadtraum eine dauerhafte Aufstellung des 60 Tonnen schweren Stahlskeletts zweimal abgelehnt. "Es gibt seit 1997 ein Bodenmosaik, das den Kirchengrundriss markiert, und eine Informationsstele auf dem Bethlehemkirchplatz ", so Weißler. Außerdem verstelle die Kircheninstallation die Skulptur Houseball. Der bunte Ball des Künstlers Claes Oldenburg steht seit 1997 neben dem Kirchengrundriss und soll als Knäuel aus zusammengebundenen Möbeln und anderem Hausrat ebenfalls an die böhmischen Flüchtlinge erinnern.

Die Baubehörde sorgt jetzt dafür, dass die befristete Sondernutzung beendet wird. Eine Baugenehmigung für eine dauerhafte Konstruktion ist auf öffentlichem Straßenland nicht möglich, sagt Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Statikgutachten wolle er nicht anfordern, da die Genehmigung ohnehin ausgeschlossen sei.

Mehr als verwundert sind die für Kunst und Bau zuständigen Stadträte über ihren Chef, Bürgermeister Christian Hanke (SPD). Wie beide betonen, sei Hanke immer aktuell über den Stand der Dinge informiert gewesen. Dennoch hat der Bürgermeister am 25. Mai die Schirmherrschaft für ein vom Verein Lux Bethlehem organisiertes Konzert für den Erhalt der Kirchenskulptur übernommen. "Es ist mir eine Ehre, an diesem besonderen Tag einen Teil zum Erhalt des Kunstwerkes von Juan Garaizabal beizutragen", schrieb Christian Hanke in der Einladung.


Dirk Jericho / DJ
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