Wedding und Gesundbrunnen im Jahresrückblick

Nur noch ein Trümmerhaufen. Weddings einzige Markthalle, die Müllerhalle, wird im Juli abgerissen. (Foto: Dirk Jericho)
 
Schauspielerin Ulrike Folkerts eröffnet die Erlebnisausstellung über ferne Länder und Kulturen im Labyrinth Kindermuseum. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Wieder ist ein Jahr vorbei. Die Berliner Woche war Ihr verlässlicher Begleiter, sprach mit den Verantwortlichen im Bezirk und erklärte die Entwicklungen im Bezirk. Wir berichten Woche für Woche über tolle Projekte, engagierte Menschen und spannende Geschichten in den Quartieren.

Januar: Das Ronald McDonald Haus in der Seestraße 28 erhält den Sozialpreis der Bayer-Stiftung. In dem Haus finden jährlich rund 500 Familien ein Zuhause auf Zeit in der Nähe ihrer herzkranken Kinder, die im Deutschen Herzzentrum oder im Virchow-Klinikum behandelt werden.Ex-Baustadtrat Ephraim Gothe wird zum Baustaatsekretär ernannt.

Februar: Nach sechs Monaten Funkstille beginnen die Diskussionen um die Erweiterung des Mauerparks. Es folgen monatelange Diskussionen und Proteste. Am Jahresende steht der Plan und Wedding bekommt fünf Hektar Park.

Professor Johannes Vogel wird neuer Chef des Naturkundemuseums.

März: Auf dem Gelände des Virchow-Klinikums wird der Grundstein für Europas größtes Kliniklabor gelegt. Der Gebäudekomplex soll bis 2013 fertig sein.

Die Kulturpark Wedding GmbH kauft das seit Jahren stillgelegte Krematorium in der Gerichtsstraße. In das Baudenkmal sollen Künstler und Kreative ziehen.

In der Brunnenstraße eröffnet das Veranstaltungs- und Kreativzentrum "Supermarkt". Hier arbeiten Freiberufler in früheren Läden.

Der verschuldete Bezirk will wieder Jugendklubs schließen. Nach Protesten gibt es am Jahresende keine Kürzungen. Der Jugendhilfeausschuss will 2013 den Senat wegen permanenter Unterfinanzierung verklagen.

April: Ein SEK verhaftet vier Wochen nach der Tat einen 30-jährigen Mann, der in der Humboldthain-Schule ein achtjähriges Mädchen auf der Schultoilette mit einem Messer bedroht und sexuell missbraucht hat.

Die rot-schwarze Zählgemeinschaft in der BVV lehnt einen Missbilligungsantrag der anderen Parteien gegen den für Finanzen zuständigen Bürgermeister Christian Hanke (SPD) ab. Weil Mitte auch im Dezember keinen Haushaltsplan hat, soll Hanke noch mal eine Missbillig bekommen. Auch das verhindert Rot-Schwarz.

Mai: Das Sommerbad Seestraße öffnet nach umfangreicher Sanierung mit neuem Edelstahlbecken.

Das Multiplexkino Alhambra in der Seestraße feiert am 8. Mai seinen zehnten Geburtstag. An dem Ort wurden schon vor 100 Jahren Filme gezeigt.

Der verschuldete Bezirk lässt erstmals im Sommer seine Kinderplanschen aus, weil er kein Geld für Wasser hat. Nur die für viel Geld sanierte Plansche im Schillerpark läuft, allerdings erst ab Juli.

Juni: Nach jahrelangen Diskussionen wird eine Infotafel zur Geschichte der Straßennamen im Afrikanischen Viertel aufgestellt. Seitdem gibt es Streit, was "vorn und hinten" ist. Auf der Tafel gibt es einen BVV-Text und einen afrikanischer Organisationen. Die fühlen sich diskriminiert, weil ihr Text nicht zur Müllerstraße gedreht ist.

Auf der Fläche von Beach Mitte am Nordbahnhof wird der große Pavillon vom Bundespressestrand als neue Partylocation aufgestellt.

Juli: Weil der Bezirk als einziger keinen Haushaltsplan hat, stellt der Finanzsenator Mitte unter Haushaltssperre. Diese gilt immer noch.

Die 62 Jahre alte Müllerhalle in der Müllerstraße 123-125 wird abgerissen. Der Neubau mit Kaufland-Markt soll im Frühjahr beginnen.

Das vielfach ausgezeichnete Kinderradio Radijojo muss aus dem Haus der Jugend raus und sendet derzeit aus einem Schulcontainer in der Pankstraße 70.

August: Wegen Tumulten von Demonstranten gegen die Mauerpark-Pläne wird erstmals eine BVV-Sitzung abgebrochen. Doch in der Wiederholungssitzung wird der umstrittene Mauerpark-Vertrag beschlossen. Am Jahresende steht nach 23 Jahren Streitereien der Kompromiss: Der Park wird um fünf Hektar erweitert. Im Gegenzug darf der Grundstückseigentümer 600 Wohnungen nördlich der Gleimbrücke bauen.

Die Senioren protestieren gegen die Schließung ihrer Begegnungsstätte in der Schulstraße 118. Es nützt nichts: Das Gebäude der früheren Passierscheinstelle wird im November abgerissen.

Im Labyrinth Kindermuseum eröffnet die Erlebnisausstellung "Ganz weit weg - und doch so nah".

September: Wedding feiert an über 50 Orten zum zweiten Mal ein Kulturfestival.

Grünen-Fraktionssprecherin Andrea Fischer verlässt nach knapp einem Jahr die BVV und wird Regionsrätin in Hannover. Auch die zweite Fraktionssprecherin der Grünen, Jutta Schauer-Oldenburg, hört Ende des Jahres auf.

Oktober: Linksextreme werfen die Scheiben der Gaststätte Postkutsche am Nettelbeckplatz ein, weil sich in dem Lokal im September rechtsextreme Funktionäre zum Eisbeinessen getroffen hatten. Die Wirtin beteuert, nichts von angeblichen NDP-Veranstaltungen in der Postkutsche gewusst zu haben.

Das erste Hochhaus in der neuen Europacity am Hauptbahnhof wird als Zentrale des französischen Mineralölkonzerns Total eröffnet.

Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung eröffnet seine Zentrale am Nordbahnhof.

November: Anfang November wird das 1904 eröffnete und weltweit einzige Zuckermuseum in der Amrumer Straße 32 geschlossen. Deutschlands süßeste Sammlung soll erst in zwei Jahren im Technikmuseum in der Trebbiner Straße wiedereröffnet werden.

Nach jahrelangen Planungen und Verzögerungen gibt die Bahn den Baustart für ein Empfangsgebäude am Bahnhof Gesundbrunnen bekannt. Im April soll es losgehen.

Dezember: Die 2008 gegründete Bürgerplattform Wedding/Moabit will 2013 eine private Oberschule gründen. Politiker sehen das Projekt kritisch.

Die private Fotogalerie C/O Berlin verlässt Mitte und zieht ins Amerikahaus am Bahnhof Zoo. Den gewünschten Umzug vom Postfuhramt in die Atelierhäuser im Monbijoupark hatte der Bezirk nicht genehmigt. Die Häuser werden jetzt abgerissen.


Dirk Jericho / DJ
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