Wilhelm Krützfeld stellte sich dem braunen Mob in den Weg

Die vom Berliner Polizeipräsidenten gestifteten Tafel erinnert an Wilhelm Krützfeld das Gotteshaus rettete und untergetauchten Juden half. (Foto: Caspar)

Mitte. In Berlin und dem ganzen Deutschen Reich brannten vor 75 Jahren die Synagogen. Unzählige Gottes- und Gemeindehäuser sowie weitere Bauten wurden am 9. November 1938 zerstört. Wie die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße überstanden nur wenige die so genannte Reichskristallnacht, weil sie in einem dicht bewohnten Viertel standen.

Der Polizeioffizier und Leiter des Reviers am Hackeschen Markt Wilhelm Krützfeld (1880-1953) stellte sich in jener Nacht mit weiteren Beamten dem braunen Mob entgegen und zwang die SA-Leute mit dem Hinweis, das Gebäude stehe unter Denkmalschutz, den schon gelegten Brand wieder zu löschen. Offiziell war ihm und allen anderen Polizisten in Berlin und dem übrigen Reich befohlen worden, sich aus den von ganz oben, also von der Naziführung, ausgelösten Brandanschlägen herauszuhalten und nur dort einzuschreiten, wo Nachbargebäude gefährdet sind. Krützfeld wurde am Tag nach dem Pogrom zum Berliner Polizeipräsidenten Graf Helldorf bestellt. Der überzeugte Nazifunktionär hielt ihm eine Standpauke.

Bevor der mutige Reviervorsteher 1943 in den Ruhestand versetzt wurde, nutzte er seine Stellung, um untergetauchte Juden vor der Deportation zu warnen. Eine Gedenktafel an der Fassade der 1943 durch Bombentreffer schwer beschädigten und von 1888 bis 1995 wieder aufgebauten Neuen Synagoge erinnert an den Polizeibeamten, der ein leuchtendes Beispiel für Zivilcourage ist und auf dem Friedhof III der Georgen-Parochialgemeinde in Weißensee in einem Ehrengrab der Stadt Berlin bestattet ist.


Helmut Caspar / HC
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