Feinfühlige Bindung: Was Attachment Parenting bedeutet

Schlafen im Elternbett: Das gehört bei Attachment Parenting dazu. So soll besonders viel Nähe zwischen Eltern und Kind entstehen. (Foto: Beyond/Alessandro Ventura)

Beim Attachment Parenting geht es um eine besonders feinfühlige Erziehung. Eltern sollen mit dem Kind so eng wie möglich verbunden sein und auf seine Bedürfnisse eingehen. Begründer des Ansatzes war der amerikanische Kinderarzt William Sears.

Vor allem bei Babys bestimmt diese Einstellung die Qualität der Bindung zwischen Bezugsperson und Kind, erläutert der Pädagoge Michael Schnabel. "Natürlich ist es keiner Mutter und keinem Vater möglich, immer und alles an seinem Kind aufmerksam zu verfolgen und zu kommentieren." Die Grundhaltung sollte aber eine ihm zugewandte sein. So spüre das Kind, dass ihn seine Bezugsperson ernst nimmt.

Eine solche Zuwendung zeige sich beim Attachment Parenting auf vielen Ebenen, erklärt Andreas Engel. Er ist Diplom-Psychologe und stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). "Bereits direkt nach der Entbindung spielt der enge Körperkontakt zwischen Mutter – und auch zwischen Vater – und Kind eine ganz wesentliche Rolle."

Eine sichere Bindung wirke sich direkt auf Neugierde und Lernbereitschaft der Kinder aus, sagt Schnabel, der das Thema am Institut für Frühpädagogik in München erforscht hat. "Je fester die Bindung des Kindes zur Bezugsperson ist, desto stärker fällt sein Wille zum Forschen und Experimentieren aus."

Auch beim Schlafen, dem Dauerbrenner bei jungen Familien, wählen Anhänger von Attachment Parenting die Variante mit großer Nähe: Oft schläft das Kind mit im Elternzimmer, manchmal mit Mama und Papa zusammen im großen Familienbett. So lange Eltern und Kind diese Nähe genießen, sei dagegen nichts einzuwenden, sagt Engel. Wenn allerdings andere Bedürfnisse, Stress oder auch einfach Schlafmangel dagegen sprechen, sei es genauso in Ordnung, das Kind in einem eigenen Raum schlafen zu lassen.

Im Alltag reichen laut Schnabel drei Schritte, um feinfühliger auf das Kind einzugehen. Als erstes sollten Eltern ihr Kind stärker beachten, also wenn möglich aufmerksam verfolgen, was das Kleine tut. Zweitens: Mit dem Baby reden – auch und gerade wenn es selbst noch nicht sprechen kann. Und als drittes: dem Baby eine Stimme geben. Der Erwachsene sollte möglichst genau erkennen, wofür sich der Säugling interessiert und dies mit eigenen Worten wiedergeben. Etwa, wenn das Baby gähnt, und der Vater zu ihm sagt: "Aha, du bist jetzt müde und möchtest dich ausruhen."
dpa-Magazin / mag
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