Was Hotelkategorien wirklich aussagen

Ein Vergleich zwischen den Sternen einzelner Länder ist kaum möglich. (Foto: Hilke Segbers/dpa/mag)

Der Ärger saß tief: Mit vier Sternen bewarb der Reiseveranstalter das Hotel in Florida. Doch vor Ort war von gehobenem Standard wenig zu merken. Die Zimmer waren völlig veraltet, das Mobiliar abgewohnt. Solche Erlebnisse sind keineswegs selten. Grund dafür ist vor allem, dass es kein weltweit einheitliches Klassifizierungssystem für Hotels gibt.

Während in Deutschland der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) anhand klarer Kriterien seine Sterne vergibt, herrscht international eine große Vielfalt an Bewertungssystemen. So werden allein die spanischen Hotels nach 17 verschiedenen regionalen Gesetzen bewertet, die alle andere Kriterien anlegen.In vielen Fällen wäre ein Vergleich auch gar nicht sinnvoll. So legen zum Beispiel Südeuropäer wesentlich weniger Wert auf die Länge des Betts als Nordeuropäer, Franzosen erwarten ein Bidet im Zimmer. Amerikaner legen darauf keinen Wert, bei ihnen geht es aber nicht ohne Eismaschine. Veranstalter sind deshalb dazu übergegangen, eigene Klassifizierungen vorzunehmen.

Deutschlands Marktführer Tui hat sich für Sonnen entschieden. Bei der Vergabe der Sonnen orientiert sich das Unternehmen nach eigenen Angaben an mehreren Kriterien: Die Länderkategorie ist dabei nicht mehr als eine erste Orientierungshilfe.

Immer wieder kommt es wegen Sternen, Sonnen oder Sombreros nach Angaben des Reiserechtlers Paul Degott aus Hannover vor allem bei Hotels im Ausland zu Rechtsstreitigkeiten: "Wenn ein Veranstalter ein Hotel zum Beispiel mit sechs Punkten bewirbt, muss er klar darlegen, was für Kriterien dahinterstehen." Findet der Gast die beschriebenen Eigenschaften nicht vor, könne er eine Minderung des Reisepreises verlangen.

Wie werden die Hotels in Deutschland bewertet? "Organisiert wird die Klassifizierung von 18 regionalen Gesellschaften", erklärt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA), der diese für die Dehoga macht. Dabei gibt es einen Kriterienkatalog, der rund 270 Punkte umfasst.

Zunächst reichen die Hoteliers laut Luthe eine Selbstauskunft ein. Diese wird dann von zwei Prüfern vor Ort kontrolliert. Neben messbaren Kriterien fließen auch subjektive Kriterien in die Bewertung ein. "Denn die Couch kann ja auch völlig durchgesessen sein", sagt Luthe. Deshalb gibt es die drei zentralen Punkte Hygiene, Erhaltungszustand und Gesamteindruck. Auch Gästebewertungen im Internet fließen in die Bewertung ein.


dpa-Magazin / mag
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