„Motten Sie die Kettensägen ein!“ Anwohner wehren sich gegen Baumfällungen am Wikingerufer

Bald nur noch ein Bild von gestern? Die alten Bäume am Wikingerufer sollen für die Sanierung der Ufermauer fallen. (Foto: KEN)

Moabit. Fünf Jahre lang war der Uferweg am Wikingerufer gesperrt. Nun will die Senatsverwaltung eine neue Ufermauer bauen. Dafür sollen aber 32 Bäume gefällt werden.

Die Uferwand entspreche nicht mehr den aktuellen Sicherheitsanforderungen, sagt die Tiefbauabteilung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Die Fachleute erläutern, welche Sicherungsmaßnahmen sie vor der eigentlichen zweieinhalbjährigen Bauzeit von Mitte 2018 bis Ende 2020 ergreifen wollen: Auf der Wasserseite wird der untere Bereich der Uferwand mithilfe einer Spundwand und eine Aufschüttung stabilisiert. Auf der Landseite wird die erste Baumreihe gefällt, die Wurzelstöcke ausgefräst und ein Entlastungsgraben hinter der Uferwand angelegt. Diese Vorbereitungen sind noch für Februar vorgesehen.

Die geplante Rodung, die Tiefbaufachbereichsleiter Jörgen Rutke für „alternativlos“ hält, hat bei Anwohnern Protest ausgelöst. In einer Informationsversanstaltung der Senatsverwaltung am 7. Februar in der Erlöserkirche forderten die Bürger ein Moratorium für die Baumfällungen.

Laut einer gutachterlichen Stellungnahme des Berliner Baubiologen Michael Barsig gibt es keinen sachlichen Grund für die Baumfällungen. Gleichzeitig wurde ein Appell an Senatorin Regine Günther und ihren Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (beide Bündnis 90/Die Grünen) formuliert, einen „Kurswechsel am Wikingerufer einzuleiten“. „Stoppen Sie die Pläne, pfeifen Sie Ihre Mitarbeiter zurück und motten Sie die bereits geölten Kettensägen wieder ein.“

Auch der Stadtnaturschützer Achim Appel erklärt: „Uferbäume beschädigen mitnichten eine Uferwand. Ihre Wurzeln drücken niemals Kaimauern Richtung Wasser. Ganz im Gegenteil: Eine Durchwurzelung erhöht die Stabilität einer Böschung.“ Appel verweist auf Untersuchungsmethoden, wie sie am Landwehrkanal zur Anwendung kamen mit dem Ergebnis, dass bei der Sanierung der dortigen Uferbefestigung die ökologisch wertvollen Altbäume stehen bleiben konnten. Senatsvertreter seien im „Mediationsverfahren Landwehrkanal“ immer dabei gewesen, müssten also informiert sein, sagt Achim Appel.

Seltsame Volten in der Sache hat indes Umweltstadträtin Sabine Weißler (Bündnis 90/Die Grünen) geschlagen. Sie ist für die Genehmigung der Baumfällung zuständig. Am 3. Januar erklärte sie gegenüber der Berliner Zeitung, die Beseitigung der Bäume abzulehnen. Die Bäume seien standsicher. Keine vierzehn Tage später deutete Weißler in der rbb-Abendschau an, die Fällung wohl doch zu genehmigen. Und einem Bürger antwortete sie am 25. Januar: „Leider ist die Sanierung des Ufers technisch nicht möglich, ohne die erste Reihe der Bäume zu fällen.“ KEN
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