Alpha-Bündnis begrüßt neue Partner

Der „Alpha-Kompetenz-Aufkleber“, der Beratung und Hilfe für Analphabeten signalisiert, zeigt einen ratlosen Menschen auf der linken und zwei Lesende auf der rechten Seite. (Foto: Sylvia Baumeister)

Neukölln. Im Bezirk leben etwa 28 000 "funktionale Analphabeten". Um Betroffene zu erkennen und zu beraten, bietet das Alpha-Bündnis Neukölln Schulungen für Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen an. Inzwischen haben 48 Bündnispartner daran teilgenommen.

Als funktionale Analphabeten werden Menschen bezeichnet, deren Lese- und Schreibkenntnisse für den Alltag nicht ausreichen. Sie können zwar meist einzelne Sätze lesen und schreiben, aber keine zusammenhängenden Texte. Das trifft auf 14,5 Prozent der Neuköllner zu, deren Muttersprache Deutsch ist und die im erwerbsfähigen Alter sind – das ist jeder Siebte.

Aus Scham verbergen fast alle Betroffenen ihre Schwäche. „Die meisten wissen nicht, dass es Kurse gibt, die verschiedene Grade von Analphabetismus ansprechen. Jeder hat ein Recht auf Bildung, auch ein Erwachsener“, sagt Konstanze Butenuth, vom Alpha-Bündnis Neukölln, dessen Träger der Verein "Lesen und Schreiben" ist.

Wo Betroffene Hilfe finden, signalisiert ein seit 2013 vom Bündnis verliehener „Alpha-Kompetenz-Aufkleber“. Er zeigt einen ratlosen Menschen auf der einen und zwei Lesende auf der anderen Seite. Vergeben wird der Sticker an Partner aus allen möglichen Bereichen, 48 gibt es jetzt im Bezirk. Seit wenigen Tagen gehören die Otto-Suhr-Volkshochschule und das Evangelische Familienzentrum Debora in der Weißen Siedlung Dammweg dazu.

Dort gibt es auch eine Kita. „Wir erleben immer wieder, dass Eltern nicht lesen können. Wenn sie ihre Kinder abholen, bitten uns manche, Notizen aus der Schule vorzulesen. Jetzt wissen wir, wie wir sie ansprechen und ihnen Hilfsangebote vermitteln können“, erzählt Erzieherin Stephanie Illgen, die an einer mehrstündigen Schulung teilgenommen hat und ihr Wissen an die Kollegen weitergibt.
Jeder Bündnispartner erhält nicht nur den Aufkleber, den er am Haus anbringt, sondern auch einen Ordner, der alle Partner und deren Angebote enthält. „Unsere Arbeit ist sehr nachhaltig. Dennoch läuft unsere Finanzierung durch den Europäischen Sozialfonds bald aus“, erzählt Konstanze Butenuth. Das Alpha-Bündnis sucht nun einen Träger, der Anträge stellen kann, um Geld für das Projekt einzuwerben.

Infos unter 55 57 96 20 oder unter www.alphabuendnis.wordpress.com.

SB
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