Neuköllner Oper führt Bizets "Carmen" als Flüchtlingsdrama auf

Farrah El Dibany ist eine der Carmen-Darstellerinnen, Christian Schleicher verkörpert den Polizisten José. (Foto: Matthias Heyde)

Neukölln. In ihrer neuesten Produktion greift die Neuköllner Oper ein gesellschaftliches Thema auf, das sich direkt vor der Haustür abspielt: Viele Zuwanderer leben bei uns am Rande der Gesellschaft, führen ein Schattendasein ohne Chance auf Integration und sozialen Aufstieg.

In Berlin leben geschätzte 50.000 Menschen ohne Papiere, illegal. Vor dem Hintergrund einer anwachsenden Fremdenfeindlichkeit spielt Bizets Oper "Carmen" in der Inszenierung der Neuköllner Oper.

Auch in dieser modernen Version verliebt sich José in die schöne, fremde Carmen. Aus Liebe zu ihr verlässt er seine Welt, aber aus dieser Liebe wird Besitzdenken. Am Ende tötet der Polizist die Illegale, die am Grenzzaun unserer Gesellschaft lebt.

"Wir versuchen, eine Sicht von außen zu entwickeln und damit einen anderen Blick auf ein gesellschaftliches Problem zu eröffnen", sagt Benjamin Stein von der Neuköllner Oper. Aufgeführt wird das Werk mit einer arabischen und einer deutschen Carmen, Regie führt David Mouchtar-Samorai, der aus Israel stammt.

Auf Initiative des Künstlerischen Leiters Bernhard Glocksin hat sich aus dem Stück ein europäisches Projekt entwickelt. Partner im Ausland werden ebenfalls ein "Carmen"-Stück produzieren. Diese Bearbeitungen sollen dann im November in der Neuköllner Oper präsentiert werden.

Premiere feiert die Neuköllner Carmen in der Karl-Marx-Straße 131-133 am Donnerstag, 22. Januar, um 20 Uhr. Weitere Infos unter neukoellneroper.de oder unter 688 90 70.
Sylvia Baumeister / SB
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