Schlechte Chancen für Kinder

Neukölln. Viel hat sich nicht verbessert: Jedes dritte Neuköllner Kinder im Kita-Alter lebt in schwierigen Verhältnissen, fast jedes zweite hat Sprachdefizite. Das sind die Ergebnisse der „Einschulungsuntersuchungen 2015“, die jetzt veröffentlicht wurden.

Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) sieht nach wie vor großen Handlungsbedarf, um gesundheitliche Chancengleicheit zu schaffen und setzt auf die Weiterentwicklung der "Neuköllner Präventionskette", die schon bei der Geburt eines Kinder einsetzt. Einige Lichtblick gibt es: Zwar ist der Anteil von übergewichtigen Kindern mit 13,4 Prozent der höchste in Berlin, aber er sinkt stetig. „Außerdem ist Vollständigkeit der Früherkennungsuntersuchungen auf über 80 Prozent gestiegen“, so Liecke. Wie bei sämtlichen Punkten gibt es auch hier ein Süd-Nord-Gefälle: Während in Rudow die Quote bei über 90 Prozent liegt, sind es im Norden um die 77 Prozent.

Gesundheit ist verwoben mit dem sozialen Umfeld. Bei Kindern aus Migrantenfamilien ist die Wahrscheinlichkeit von Sprachdefiziten höher. Kinder, die Eltern mit einem hohen sozialen Status haben – erfasst werden Schulabschluss, Berufsausbildung und Einkommen – sind im Durchschnitt körperlich in besserer Verfassung. Deshalb werden diese Faktoren bei den Untersuchungen erfasst. Das Ergebnis: Der Anteil der Kinder, die mindestens einen Elternteil nicht-deutscher Herkunft haben, liegt bei 68,6 Prozent; in der Köllnischen Heide sind es fast 85 Prozent, in Rudow 11,6 Prozent (Berliner Schnitt: 17,8 Prozent). Mehr als die Hälfte dieser Eltern spricht nur schlecht deutsch.

Der Anteil von Kindern mit niedrigem Sozialstatus ist in den vegangenen Jahren stadtweit um zehn Prozent gesunken. Das trifft auch auf Neukölln zu, doch es liegt mit 35 Prozent weit über dem Berlin-Durchschnitt von knapp 18 Prozent. Nur Rudow und Buckow-Nord können diese Marke unterbieten. Die meisten sozial schlecht gestellten Haushalte gibt es in der Köllnischen Heide und rund um die Karl-Marx-Straße.

Interessant ist die Entwicklung im Reuterkiez: Der Anteil von Kindern mit niedrigem sozialen Status ist in fünf Jahren von 60 auf 25,7 Prozent gesunken. Umgekehrt betrachtet: 2010 hatte nicht einmal jede zehnte Familie einen hohen Status, heute ist es mehr als jede vierte. sus
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