Lebensmittel mit kleinen Mängeln kommen bei „Restlos glücklich“ auf den Tisch

Anette Keuchel und Leoni Beckmann wollen sich nicht damit abfinden, dass so viele Lebensmittel im Müll landen. (Foto: Andreas Chudowski)
 
Fried Tofu-Bällchen, gegrilltes Gemüse mit Spinatrisotto und Spargel-Minzsalat. (Foto: Claudia Goedke)
Berlin: RESTLOS GLÜCKLICH |

Neuköll. Deutschlandweit landen jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von rund 25 Milliarden Euro im Müll, so die Verbraucherzentrale Berlin. Das muss nicht sein, finden die Initiatoren des Lokals „Restlos glücklich“.

Krumme Gurken, falsch beschriftete Ware, ein schiefes Etikett – der Verein „Restlos glücklich“ rettet Lebensmittel, die nicht verdorben sind, die aber trotzdem keiner mehr kaufen will. Das Ziel: Mehr Wertschätzung von Nahrungsmitteln und ein bewussterer Konsum. „Die Idee kam mir, als ich einen Artikel über das Kopenhagener Restaurant ,Rub & Stub’ gelesen habe, was so viel wie ,Restlos alles’ heißt“, erzählt Anette Keuchel von den Anfängen.

Ein Stipendium des Social Impact Labs Berlin und eine Crowdfunding-Kampagne, bei der 600 Unterstützer 27.000 Euro spendeten, halfen ihr und Co-Gründerin Leoni Beckmann beim Start. Im Mai 2016 eröffneten sie das „Restlos glücklich“ in der Kienitzer Straße 22. Im kleinen Lokal in Neukölln werden die aussortierten Produkte frisch und kreativ auf den Teller gebracht.

Gekocht werden hauptsächlich saisonale, vegetarische Gerichte. Das reicht von „Tofu-Gemüsepfanne an knusprigem Bulgur mit Salat der Saison“ bis zu „Süßen Apfelklößen mit Heidelbeeren und Orangen-Sauce“. Geöffnet hat das Lokal, das 2016 mit dem Gastro-Gründerpreis ausgezeichnet wurde, von Mittwoch bis Sonnabend zwischen 18 und 22.30 Uhr.

Immer mittwochs geht das geschäftige Treiben los. Dann werden von einer denn's Biomarkt-Filiale in der Nähe die aussortierten Speisen abgeholt. „Was es stets massenweise gibt, sind Brot, Gemüse und Obst,“ sagt die 40-jährige Umweltwissenschaftlerin. „Alles wird von uns durchgeschaut und gewogen, weil wir wissen wollen, wie viele Lebensmittel wir verarbeiten können.“

Erst dann entscheidet Koch Daniel Roick, welche Mahlzeiten er daraus zaubert. „Rund 15 Prozent müssen dazugekauft werden, etwa Linsen oder Milchprodukte“, sagt Anette Keuchel. Am Mittwoch und Donnerstag gibt es unter dem Motto „Einfach glücklich“ einfache Tellergerichte, freitags und sonnabends ein Drei-Gänge-Menü. Das Lokal bietet 35 Plätze, die online oder telefonisch reserviert werden sollten.

Neben dem Restaurant und einem angeschlossenen Catering ist die Initiative auch in der Bildung aktiv. Der Verein initiiert nachhaltige Kochkurse und ein Bildungsprogramm mit Workshops für Kinder und Erwachsene. Die Projekte sollen für die Problematik der Lebensmittelverschwendung sensibilisieren und einen bewussten Umgang mit Nahrung fördern.

Ohne das zwölfköpfige Kernteam mit sechs Angestellten sowie die rund 70 ehrenamtlichen Helfer wäre die Arbeit des Vereins nicht möglich. „In der Küche und im Service können wir immer Unterstützung brauchen,“ fordert Anette Keuchel zum Mitmachen auf.

Wer aktiv werden möchte, kann sich über die Webseite der Non-Profit-Initiative melden. „Schön wäre, wenn wir zudem einen Partner finden würden, der uns Trockenware, wie Mehl, Nudeln oder Hülsenfrüchte zur Verfügung stellt,“ wünscht sich die Initiatorin. Auch über Spenden freut sich der Verein. Die Gewinne von „Restlos glücklich“ fließen in das Bildungsangebot. sr

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Daniela Meistering aus Lankwitz | 22.03.2017 | 13:18  
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