Annett Rose nutzte die Gunst der Stunde und blieb hartnäckig

Sie entwickelte das Konzept für den Kinderbauernhof Pinke Panke und setzte es mit ihren Unterstützern beharrlich um: Annett Rose. (Foto: BW)

Pankow. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Seitdem entwickelte sich nicht nur Berlin rasant. In den vergangenen 25 Jahren veränderte sich auch das Leben vieler Menschen in dieser Stadt. In den kommenden Ausgaben stellt die Berliner Woche einige von ihnen vor.

Dass sie ausgerechnet auf dem früheren Mauerstreifen mal einen Kinderbauernhof aufbauen würde, damit hätte Annett Rose vor 25 Jahren nicht gerechnet. Sie war seinerzeit Anfang 20 und studierte Sonderpädagogik. Aber sie war bereits in der Spielwagenszene Ost-Berlins aktiv. Am 9. November 1989 nahm Annett Rose an einem Kongress der Volksinitiative zur außerschulischen Bildung in der Kongresshalle am Alexanderplatz teil. Irgendwann kam ein Journalist und sagte: "Habt ihr schon gehört, die Mauer ist gefallen." Die Kongresshalle leerte sich schlagartig. Noch in der Nacht war Annett Rose wie viele andere Ostberliner über die Bornholmer Straße auf Stippvisite im Westteil der Stadt.

Die folgenden Monate gestalteten sich für Annett Rose allerdings turbulent. Sie wechselte an die Alice-Salomon-Hochschule und sattelte auf Sozialpädagogik um. Außerdem wurde sie Kinderkulturbeauftragte des Stadtbezirks Pankow. "Für die Kinder waren ganz neue Freizeitstrukturen zu organisieren. Die Pionierleiter an den Schulen gab es schon bald nicht mehr. Damit brach auch die Freizeitarbeit an den Schulen zusammen", erinnert sie sich.

Aus ihrer Spielmobilarbeit wusste Annett Rose, dass es im Westteil der Stadt und in den alten Bundesländern pädagogisch betreute Abenteuerspielplätze und Kinderbauernhöfe gibt. Sie entwickelte ein Konzept für einen Kinderbauernhof in Pankow. Der Runde Tisch im Bezirk beschloss dann, dass das Konzept umgesetzt werden soll.

"Das Bezirksamt war damit in der Pflicht. Mir wurden etliche Flächen vorgeschlagen. Aber keine war so richtig geeignet", erinnert sich die Initiatorin. Um das Ganze zu forcieren, gründete sie im März 1990 mit Unterstützern den Verein Spielraum. Anderthalb Jahre dauerten bereits Annett Roses Bemühungen, als man ihr endlich den Vorschlag unterbreitete, an der heutigen Straße Am Bürgerpark einen Kinderbauernhof aufzubauen.

"Auf der Fläche sah es damals noch furchtbar aus", erinnert sie sich. "Überall lagen Schutt und Mauerreste. Aber gemeinsam mit meinen Unterstützern dachte ich mir: Allen, die uns bisher Steine in den Weg legten, werden wir es beweisen. Wir entschieden, den Kinderbauernhof aufzubauen!" Ein Bundeswehrkommandeur half mit seinen Soldaten beim Beräumen der Fläche. Am 8. Mai 1991 eröffnete der Kinderbauernhof mit vier Schafen, sechs Hühnern und zwei Kaninchen.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Kinderbauernhof stetig weiterentwickelt. Neue Ställe und ein Spielhaus entstanden im Fachwerkstil. Auch die Zahl der Tiere nahm zu. Das Wichtigste aber: Von Anfang an war der Kinderbauernhof Pinke Panke bei den Kindern beliebt. "Ohne den Fall der Mauer und die Wende wäre der Kinderbauernhof aber nicht möglich gewesen", meint Annett Rose. "Solch eine Freizeiteinrichtung in freier Trägerschaft hätte man zu DDR-Zeiten nicht zugelassen."


Bernd Wähner / BW
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