Lebensgefahr oder Rechtsbruch? Radler haben auf der Prenzlauer Promenade keine Wahl

Stadteinwärts ist der Radweg auf der Prenzlauer Promenade gut ausgebaut. (Foto: Bernd Wähner)
 
Radfahrer, die verbotenerweise auf den Gehweg ausweichen wollen, haben auch keine Chance durchzukommen. Sträucher engen ihn ein, und er ist uneben. Schon für Fußgänger ist dieser Trampelpfad eine Zumutung. (Foto: Bernd Wähner)

Pankow. Wer mit dem Fahrrad auf der Prenzlauer Promenade stadtauswärts unterwegs ist, hat zwischen Treskowstraße und Rothenbachstraße schlechte Karten.

In Richtung Autobahn gibt es keinen Radweg. Pkw und Lkw rasen oft schon im Autobahnmodus, wenn nicht gerade Stau ist. Deshalb traut sich kaum jemand mit dem Rad auf der Fahrbahn zu fahren. Anders sieht es stadteinwärts aus. Dort gibt es einen Radweg. Einige Radler nutzen diesen auch in der Gegenrichtung, um dem Chaos auf der anderen Straßenseite zu entgehen. Aber ist das legal? Und warum ist nicht längst so ein Radweg auf der stadtauswärts führenden Seite gebaut worden?

„Das Problem der fehlenden Radverkehrsanlagen zwischen Treskow- und Rothenbachstraße stadtauswärts ist der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bekannt“, sagt deren Pressesprecher Matthias Tang auf Anfrage der Berliner Woche. „Wir bemühen uns seit Längerem, die Situation für die Radfahrer und Fußgänger in diesem Straßenabschnitt durch einen Neubau von Rad- und Gehwegen zu verbessern. Das Vorhaben ist schon seit mehreren Jahren für die Investitionsplanung des Landes Berlin, aktuell für den Investitionsplan 2018-2022, angemeldet.“

Das Problem sei, dass in diesem Bereich derzeit zu wenig Fläche für einen neuen Rad- und Gehweg zur Verfügung stehe, so Tang weiter. Voraussichtlich sei deshalb ein Grunderwerb entlang der Straße erforderlich. Damit die Grundstücke erworben werden können, müsse „mit großer Wahrscheinlichkeit“ ein Planrechtsverfahren durchgeführt werden. Solch ein Verfahren binde erfahrungsgemäß umfangreiche zeitliche und personelle Kapazitäten, so der Pressesprecher der Senatsverwaltung.

„Aufgrund der vielen Maßnahmen im Straßenbau, die derzeit vorbereitet und durchgeführt werden, kann noch nicht abgeschätzt werden, wann diese Planung konkret in Angriff genommen wird“, erklärt Matthias Tang. „Unser Ziel ist es, eine sichere Verkehrsführung für Fußgänger und Radfahrer unabhängig vom Kraftfahrzeugverkehr zu erreichen.“

Eine Nutzung des Radweges stadteinwärts im Zweirichtungsverkehr sei nicht vorgesehen. „Durch Zweirichtungsradwegen entstehen an den Kreuzungen und Einmündungen Gefahrenstellen. Deswegen werden solche Lösungen innerstädtisch nur im Ausnahmefall geplant und genehmigt.“

Entlang der Prenzlauer Promenade stadteinwärts führe der Radweg über mehrere stark frequentierte Kreuzungen beziehungsweise Einmündungen. „Außerdem hat er nicht die notwendige Breite und es fehlen gesicherte Querungsmöglichkeiten am Anfang und Ende. Deswegen ist er für einen Zweirichtungsverkehr nicht geeignet“, so Tang weiter.

Darf denn nun der gut ausgebaute Radweg stadteinwärts auch in Gegenrichtung genutzt werden? Matthias Tang: „Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen nur rechte Radwege benutzt werden. Das Befahren linker Radwege in der Gegenrichtung ist nur zulässig, wenn dies ausdrücklich durch besondere Beschilderung zugelassen ist.“ Und das ist an der Prenzlauer Promenade nicht der Fall.

So bleiben den Radfahrern bis zur Umsetzung des Investitionsprojektes nur die Alternativen: Auf der stadtauswärts führenden Seite unter Lebensgefahr am Straßenrand fahren oder den Radweg auf der anderen Seite nutzen – und gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen. Da bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Verkehrsbehörde rasch noch eine andere Übergangslösung einfallen lässt. BW
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