Mehr Erzieher: Betreuungsschlüssel in Kindergärten reicht nicht aus

Anja Flade, Susanne Lenk, Stefan Kruse und Ariane Wessel kamen in Begleitung ihrer Kinder zur Senatsverwaltung, um ihre Unterschriftenlisten zu übergeben. (Foto: Bernd Wähner)
 
Die Eltern aus der Villa Schabernack übergaben die Unterschriftenlisten an Ilja Koschemba. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. Für mehr Personal in Kitas setzt sich eine Elterninitiative ein. Deren Vertreter übergaben jetzt Unterschriftenlisten in der Senatsbildungsverwaltung.

Zu dieser Initiative schlossen sich Eltern aus dem Förderverein der Kita Villa Schabernack zusammen. Sie sammelten in den vergangenen Tagen über 470 Unterschriften. Weil die zuständige Senatorin Sandra Scheeres (SPD) verhindert war, nahm ihr Pressesprecher Ilja Koschemba die Unterschriftenlisten entgegen.

„Unser Ziel ist es, einen besseren Betreuungsschlüssel zu erreichen“, erklärt Anja Flade, eine der Initiatorinnen der Unterschriftenaktion. Das jüngste ihrer drei Kinder besucht die Villa Schabernack. Sie ist unzufrieden, dass nicht mehr Personal in der Kita zur Verfügung steht. „Die Erzieher geben ihr Bestes“, sagt sie, „aber wenn jemand krank ist oder im Urlaub, dann werden Gruppen zusammengelegt. Es kommt immer wieder vor, dass zwei Erzieher mit 30 Kindern beschäftigt sind. Da kann es nur noch eine Grundbetreuung geben.“ Bei solchen Gruppengrößen ist keine vernünftige pädagogische Arbeit mehr möglich. Und irgendwann ist auch das Kräftelimit der Erzieher erreicht. Dass da der eine oder andere erkrankt und das nächste Betreuungsloch aufgerissen wird, ist absehbar.

Aus Sicht der Eltern sind die Berliner Kitas, egal ob freie oder kommunale, mit zu wenig Personal ausgestattet. Sie erhalten vom Senat nach einem Betreuungsschlüssel die Personalkosten zugewiesen. In diesen sind zwar einige Urlaubs- und Krankentage eingerechnet, doch das funktioniert in der Praxis nicht. Der Paritätische Wohlfahrtsverband stellte in einer Studie fest, dass ein Erzieher pro Jahr wegen Krankheit, Urlaub und organisatorischer Arbeiten 37 Prozent der eingeplanten Betreuungszeit nicht wahrnehmen kann. Das müsse auch in einem aktualisierten Betreuungsschlüssel berücksichtigt werden, fordern die Eltern.

Die Villa Schabernack in der Stavanger Straße 6-8 ist in freier Trägerschaft des Vereins Bürgerhaus. In ihr werden 200 Kinder von 26 Erziehern betreut. Nachdem die Eltern über längere Zeit beobachteten, wie das Personal am Limit arbeitete, entschlossen sie sich, eine „Initiative von unten“ zu starten, erklärt Anja Flade. „Aus Gesprächen mit Eltern wissen wir, dass dort der zu knapp bemessene Betreuungsschlüssel zu ähnlichen Problemen führt“, sagt Susanne Lenk, die ebenfalls in der Elterninitiative mitmacht. „Deshalb organisierten wir unsere Unterschriftensammlung.“

Ilja Koschemba dankt den Eltern für ihr Engagement. „Die Senatorin arbeitet an diesem Problem“, versichert er. „In den aktuellen Haushaltsberatungen kämpft sie darum, dass noch mehr Mittel für die Betreuung in den Kitas zur Verfügung stehen.“ Ein besserer Betreuungsschlüssel könne allerdings nur in kleinen Schritten erreicht werden. Denn mehr Personal bedeutet auch, dass mehr Geld zur Verfügung stehen muss. Und darüber kann die Bildungsverwaltung nicht allein befinden, sondern dazu müssen Senat und Abgeordnetenhaus Beschlüsse fassen. Die Eltern wollen sich deshalb auch an Abgeordnete, den Finanzsenator und an Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig wenden. BW

Wer mehr zu dieser Elterninitiative erfahren möchte, kann mit ihr über die E-Mail-Adresse redaktion@villa-schabernack.de Kontakt aufnehmen.
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