Auch im Jubiläumsjahr des Mauerfalls keine Entscheidung über Förderung

Prenzlauer Berg. Die Zukunft des Archivs der Robert-Havemann-Gesellschaft ist ungewiss. Dieses Resümee zieht Geschäftsführer Dr. Olaf Weißbach nach den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls.

Dabei hatten die Vereinsmitglieder und viele frühere DDR-Oppositionelle gehofft, dass es in der Politik endlich eine Entscheidung für eine langfristige Regelfinanzierung des Archivs gibt. Die Jubiläen der friedlichen Revolution und des Mauerfalls hatten die Mitglieder der Gesellschaft engagiert mit vorbereitet. Unter anderem organisierten sie die Open-Air-Ausstellung "100 Mauergesichter". Auch das Ballonpatenprojekt und das Bürgerfest vor dem Brandenburger Tor unterstützte der Verein nach Kräften. Für dieses Engagement gab es zwar Anerkennung, aber kein Signal, wie das Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft in der Schliemannstraße 23 dauerhaft gesichert werden kann. Gegründet wurde der Verein im Herbst 1990 von Mitgliedern und Unterstützern der Bürgerbewegung Neues Forum. Ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit ist von Anfang an das Archiv. Dieses bestand zunächst aus dem Nachlass des 1982 verstorbenen Regimekritikers Robert Havemann. Weiterhin wurden Dokumente der Bürgerbewegung gesammelt. Später kamen zwei wichtige Archive der DDR-Opposition hinzu: das Matthias-Domaschk-Archiv und das Archiv Grauzone. Im Laufe der Jahre wurde der Bestand kontinuierlich erweitert. "Insgesamt 500 laufende Meter Schriftgut stehen heute im Archiv der Öffentlichkeit zur Verfügung", erklärt Weißbach. "Zu den Beständen gehören außerdem 160 000 Bilddokumente, 5000 Videofilme, 400 Audiokassetten und eine große Plakatsammlung. Schließlich befinden sich im Archiv zahlreiche Objekte wie Druckmaschinen, Stempel und Kameras."

Für die Arbeit des Archivs gibt es bisher weder vom Land noch vom Bund eine Förderung. Alles wird mit Projektmitteln finanziert, die immer wieder neu beantragt werden müssen. "Auf dieser Grundlage ist die Archivarbeit in Zukunft nicht mehr zu leisten", so der Geschäftsführer. "Unsere Bestände wachsen kontinuierlich, und die Anfragen an unser Archiv nehmen seit Jahren zu." Deshalb fordert die Gesellschaft endlich eine institutionelle Förderung.

Weitere Informationen auf www.havemann-gesellschaft.de.

Bernd Wähner / BW
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