Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer unterwegs zum Ostseeplatz

Berlin: Greifswalder/Ecke Naugarder Straße |

Prenzlauer Berg. Die Magnolien kleiden die Naugarder Straße in weiße Pracht. Vor 100 Jahren endete hier, zur Ecke Hosemannstraße, die enge Mietskasernenbebauung.

Nebenan stehen bis heute die Bauten des Radialsystems Nr. 11, von dem die Abwässer dieser Gegend einst auf die Rieselfelder im Norden gepumpt wurden. 300 Meter weiter gab es schon den Ostseeplatz, angelegt um 1905 im Zuge der Verlängerung der großen Ringstraße des Berliner Nordens. Gleich dahinter war die Stadtgrenze, ringsum unbebautes Feld.

Stadtbaurat Martin Wagner plante in den Zwanzigern zwischen Ringbahn und Bezirksgrenze zu Weißensee neuartige, preisgünstige Wohnungen mit Licht, Luft und Sonne. Bruno Taut und Franz Hillinger entwarfen die Wohnstadt "Carl Legien" der gewerkschaftseigenen Gehag-Baugesellschaft nach Rotterdamer Vorbild. Sie gehört zu den sechs Siedlungen der 20er-Jahre, ausgezeichnet als Weltkulturerbe. Nach 1933 ist bis an den Ostseeplatz weitergebaut worden. Tauts klare und großzügige Flachdachhäuser galten nun als "undeutsch", und so folgten biedere Blöcke mit Walmdächern. Nach dem Krieg kamen ab 1950 an die Nordseite drei- bis fünfgeschossige Wohnblöcke in "Nationaler Tradition". Natürlich sind die "Stalinbauten" in der heutigen Karl-Marx- und Frankfurter Allee viel repräsentativer angelegt, aber die weniger bekannten "Ostseeplatz-Häuser" bieten nach denkmalgerechter Sanierung besondere Reize im Stadtraum.

1969 zog die von Greet Palucca Anfang der Fünfziger angeregte Staatliche Ballettschule Berlin aus Mitte in die Erich-Weinert-Straße. Nachdem sie im 40. Jahr ihres Bestehens 1991 die Staatliche Artistenschule aufgenommen hatte, entstand aus dem Ursprungsbau ein moderner Komplex im Stil des Dessauer Bauhauses.

Vor genau 70 Jahren war hier Kampfgebiet der Roten Armee, bis dann eine Woche später alle Waffen schwiegen. Ein bescheidenes Gedenkrelief erinnert an diese Zeit. Auf der Platzmitte unter den alten Bäumen schwelgt eine Bronzeplastik im Ausdruck körperlicher Schönheit. Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach hatte 1987 die lebensgroße Aktfigur einer jungen Frau geschaffen, die nach 1990 aufgestellt worden ist. Der Spitzname "Die Nackte vom Ostseeplatz" lässt außer Acht, dass das nur auf den ersten Blick idyllische Frauenbild auf die Mühen des Alltags verweist.

Die Führung mit Bernd S. Meyer, dem Mann mit der Leiter, beginnt am Sonnabend, 25. April, 11 Uhr. Treff: Greifswalder/Ecke Naugarder Straße. Verkehrsverbindung: Ringbahn S-Bahnhof Greifswalder Straße und Straßenbahn M 4. Die Teilnahme ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 24. April, von 10 bis 12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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