Senat plant in der alten Teske-Schule ein Zentrum für jugendliche Analphabeten

Quo vadis, alte Teske-Schule? Das Haus am Tempelhofer Weg soll zum Bildungszentrum für Flüchtlinge werden. (Foto: KEN)
Berlin: Teske-Schule |

Schöneberg. „Willkommenskultur“ war gestern. Jetzt geht es um die Integration der Flüchtlinge. Die ist nicht einfach, wie das Beispiel jugendlicher Analphabeten zeigt. Um sie auf Vordermann zu bringen, plant die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, die ehemalige Teske-Schule vorerst in ein „Bildungszentrum“ zu verwandeln.

Rund 100 Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren sollen mit Beginn des neuen Schuljahres verteilt auf fünf Klassen am Tempelhofer Weg gezielt gefördert werden, damit sie eine Lern- und Ausbildungsperspektive haben.

Am neuen „Bildungszentrum Tempelhofer Weg“ sollen Bildungseinrichtungen wie die Volkshochschule und die Musikschule, Vereine wie „Schöneberg hilft“ oder der Tanzsportclub Blau-Silber Berlin und der Jugendhilfeträger „Jugendarbeit, Kultur und soziale Dienste“ (JaKuS) mitwirken.

Darüber hinaus ist eine Kooperation mit der benachbarten Hugo-Gaudig-Schule und dem Oberstufenzentrum Lotis geplant. „Eine Schule des Zweiten Bildungsweges, die Albert-Einstein-Schule, wird im Herbst in das Gebäude einziehen“, teilte Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) mit.

Nicht lesen, nicht schreiben

Die jungen Menschen – und ihre Zahl an den Regelschulen im Bezirk steigt – haben in ihrem Heimatland nur mangelhaft oder gar nicht lesen und schreiben gelernt, keine Kenntnisse in Mathematik und Englisch und/oder nur wenige Deutschkenntnisse. Daher können sie an allgemeinbildenden Schulen die neunte oder zehnte Klasse nicht besuchen.

Der Besuch dieser sogenannten Willkommens-Profil-Klassen in der alten Teske-Schule ist freiwillig. Vorher muss es erst ein Beratungsgespräch der zuständigen Lehrkraft mit dem betroffenen Jugendlichen in einer Willkommensklasse und dessen Eltern oder Erziehungsberechtigten geben. Ob der Plan der Senatsbildungsverwaltung etwas taugt, ist ungewiss. Das neue Modell wurde erst im vergangenen Schuljahr entwickelt und noch nicht überprüft.

Bezirk überrumpelt

Tempelhof-Schöneberg wurde in gewisser Weise von der SPD-geführten Senatsbildungsverwaltung überrumpelt. Der Bezirk hatte für die ehemalige Teske-Schule andere Pläne. Sie sollte ein integrierter Bildungscampus mit einer zweizügigen Grundschule werden. Denn Tempelhof-Schönebergs Schulen platzen aus allen Nähten. „Wir haben die größten Schwierigkeiten, überhaupt die Regelklassen unterzubringen und einzurichten“, sagte Stadtrat Schworck. Für weitere Willkommensklassen gebe es an den Schulen in diesem Bezirk keinen Platz mehr. Schworck versicherte, das Bildungszentrum für jugendliche Flüchtlinge werde nur zeitweilig bestehen. Die eigentlichen Planungen des Bezirksamts würden intensiv vorangetrieben.

Für die Grünen ist das geplante Bildungszentrum nichts weiter als eine „räumlich isolierte Sonderschule für schwer integrierbare Flüchtlinge mit geringen schulischen Vorkenntnissen“. Die Förderung von Inklusion und die Möglichkeit von Integration seien nicht gewährleistet. Die Grünen befürchten, dass die geflüchteten Schüler kaum Kontakt zu ihrer deutschsprachigen Umgebung bekommen. Die Grünen werben für „dezentrale Lösungen“, anstatt diese Jugendlichen „in einem wenig integrativen Gebäude wie der ehemaligen Teske-Schule“ zu konzentrieren.

Die Linke glaubt, die Lernbedingungen im geplanten Bildungszentrum werden miserabel sein. Die Verordnete Christine Scherzinger meinte, das Integrationsgesetz werde hier umgangen und „innovative Methoden“ nicht berücksichtigt. KEN
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