Bezirk gedenkt der Ermordung von 16 Bewohnern in der Partnerstadt Penzberg

Stilles und würdiges Gedenken an die Opfer der Penzberger Mordnacht mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (links) und der BVV-Vorsteherin Petra Dittmeyer (CDU) am Gedenkstein an der Penzberger Straße. (Foto: KEN)
Berlin: Penzberger Straße |

Schöneberg. In den letzten Kriegstagen ermordeten Nazis in Schönebergs oberbayerischer Partnerstadt Penzberg 16 Frauen und Männer.

Still und würdig haben Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), BVV-Vorsteherin Petra Dittmeyer (CDU), Vertreter der Schöneberger Friedensinitiative und der Parteien in der BVV der Opfer der "Penzberger Mordnacht" gedacht. Am Gedenkstein in der Penzberger Straße legten sie Kränze nieder. Zur Feier war auch Walter Heinl von der Landesvertretung Bayern gekommen.

Am 28. April 1945 wollten der frühere sozialdemokratische Bürgermeister der Bergbaustadt im Voralpenland, Hans Rummer, und 15 weitere Bürger Penzberg kampflos an die Amerikaner übergeben. Sie entmachteten den NS-Bürgermeister, verhinderten die Sprengung des Bergwerkes und befreiten die Kriegsgefangenen in den nahe gelegenen Lagern.

Doch statt der Amerikaner kamen eine Einheit der Wehrmacht und Nazi-Freischärler, die sogenannten Werwölfe, in die Stadt. Sie ermordeten die 16 Frauen und Männer. Zwei Tage später befreiten die Amerikaner die Stadt.

Der 28. April 1945 sei für Tempelhof-Schöneberg als Penzberger Partnerstadt ein wichtiger Tag der Erinnerung, sagte Bürgermeisterin Schöttler, "ein Tag, an dem wir uns daran erinnern, was Menschen erleiden mussten, aber eben auch, was sie bereit waren zu geben für Freiheit und Selbstbestimmung".

Aus der Geschichte lerne man am besten an Einzelbeispielen und Einzelschicksalen wie dem von Penzberg, so die Bürgermeisterin weiter. Die Lehren der Geschichte machten stark für den Einsatz für Menschlichkeit, für Freiheit und für Solidarität. "Sie schützen uns und alle andere vor politischer Verführung jedweder Art. Wir brauchen die Orte des Erinnerns."

Ein Vertreter der Schöneberger Friedensinitiative verwies auf ähnliche Verbrechen an der Bevölkerung in der Endphase des Krieges in Berlin und Umgebung und teilte mit, dass sich die Friedensinitiative dem Votum der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW Deutschland) angeschlossen habe, den 8. Mai, den Tag des Kriegsendes in Europa, zum nationalen Feiertag der Befreiung zu erklären.

Das Bayerische Viertel war im Bereich der heutigen Penzberger Straße bei Bombenangriffen stark zerstört worden. Häuser aus den 60er-Jahren säumen die Straße, die 1958 ihren Namen erhielt. 1964 schlossen Schöneberg und Penzberg auf Wunsch der Bayern die Partnerschaft. Penzberg wollte "ein Zeichen gegen den Mauerbau" setzen.


Karen Noetzel / KEN
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