Eltern und Erzieher fürchten ein Aus der Einrichtung am Wartburgplatz

Schöneberg. "Rettet die Bibliothek" hieß es am 16. Juni. 13 Schulklassen, Kita-Gruppen und Erwachsene zogen vor die Thomas-Dehler-Bibliothek, um mit Transparenten gegen "das langsame Ausbluten" der Einrichtung zu protestieren.

Zur Demonstration hatten Claudia Cohnen-Beck und die Buchautorin Eva Menasse im Namen der Gesamtelternvertretung der Scharmützelsee-Grundschule.

Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieher appellieren an den Bezirk, "möglichst schnell eine praktikable Lösung zu finden". Mehr als 300 Kinder in Klassen und Kita-Gruppen besuchen die Kiez-Bibliothek jeden Monat. "Gelebte Bildungspolitik, die wenig kostet", sagen Cohnen-Beck und Menasse.

Ursache für ein drohendes Aus sei der Datenschutz. Seit zwölf Jahren wird die Thomas-Dehler-Bbliothek von ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben. Sonst wäre sie wohl schon geschlossen worden. Doch seit Neuestem dürfen Ehrenamtliche Kundenkonten nicht einsehen. Der Verbund der öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) hat die Bibliothek aus seinem internen Netz genommen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter dürfen keine Ausweise mehr verlängern oder Gebühren einnehmen. Zwar sollte die Ausleihe über den aufgestellten Automaten funktionieren. Doch der ist seit März wegen Störungen der Funkverbindung häufig außer Betrieb. Die Folge: Viele Lehrer suchen die Bibliothek mit ihren Schülern nicht mehr auf.

"Das ist vor allem für jene Kinder tragisch, die sonst keinen Zugang zu Büchern haben", sagen Cohnen-Beck und Menasse und fordern Bezirk, Stadt und VÖBB auf, "schnellstmöglich eine Lösung zu finden". Der Leiter der Tempelhof-Schöneberger Stadtbibliothek weist jede Schließungsabsicht zurück. Der Standort bleibt erhalten, sagt Engelbrecht Boese. Durch das "sehr ärgerliche" technische Problem sei ein falscher Eindruck entstanden. Bis Mitte Juli soll laut Boese die Störung der Funkverbindung behoben sein.

Bis dahin arbeiten die Ehrenamtlichen am Wartburgplatz mit einem Laptop - und haben Einblick in die Datenbank. Engelbrecht Boese hofft, dass Berlins Datenschutzbeauftragter Alexander Dix so lange ein Auge zudrückt. An den Auflagen des Datenschutzes könne man nichts ändern.

Wenn der Automat wieder funktioniert, laufen so gut wie alle Ausleihen über ihn. Die Nutzer zahlen ihre Gebühr mit EC-Karte. Für das Ausstellen oder Verlängern des Bibliotheksausweises müssen sie eine andere Bibliothek aufsuchen. Aber das, so Boese, täten bereits 70 Prozent der Nutzer. Und für die Kinder, die in Gruppen kommen, hat er auch eine Regelung getroffen: Die Ausweise werden in der Theodor-Heuss-Bibliothek ausgestellt und liegen zum Besuchstermin bereit.


Karen Noetzel / KEN
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