Obdachlosen Wärme spenden

Einrichtungsleiter Ralf Berner mit den Helferinnen Erika und Barbara in der Kleiderkammer der Wohnungslosentagesstätte Schöneberg. Foto: KEN (Foto: KEN)
Berlin: Wohnungslosentagesstätte Schöneberg |

Wohnungslosentagesstätte Schöneberg bittet um Schlafsäcke

Schöneberg. Es ist Herbst. Die Nächte werden kühler. Für Menschen, die auf der Straße leben, beginnt wieder der Kampf gegen Kälte und Frost. Darum bittet die Wohnungslosentagesstätte (WoTa) Schöneberg um Schlafsäcke für ihre Besucher.

Mindestens 50 Schlafsäcke würden gebraucht, so Einrichtungsleiter Ralf Schönberner. Der Verschleiß der wärmenden Hüllen sei hoch. Selten halte ein täglich benutzter Schlafsack länger als ein Jahr. Und leider ist eine früher stetig sprudelnde Spendenquelle, die der Bundespolizei, versiegt.
Zwar spendeten 2015 die Christmas Biker Schlafsäcke und im vergangenen Jahr gab ein privater Spender dafür 1 500 Euro. Aber der Bedarf wächst, und Schönberner kann ihre Anschaffung nicht aus dem regulären Etat der Wohnungslosentagesstätte finanzieren.
„Bringt alle Schlafsäcke, die ihr nicht mehr braucht“, bittet deshalb Ralf Schönberner. Auch Geldspenden seien willkommen. Schon für 40 Euro sei ein vernünftiger Schlafsack, in Mengen bestellt, zu haben. Auch Herrenbekleidung, Schals und Handschuhe würden dringend benötigt, sagt der WoTa-Leiter. 70 Prozent der täglich bis zu 60 Gäste in der Gustav-Freytag-Straße 1 seien Männer. Platz in der Kleiderkammer für Schlafsäcke und warme Sachen könne er rasch schaffen, versichert Ralf Schönberner.
Die Situation für Wohnungslose, das kann Schönberner tagtäglich in Schöneberg beobachten, bessere sich nicht. Ganz im Gegenteil. „Die Zahl Obdachloser steigt“, so Sozialarbeiter Ralf Schönberner. „Erschreckend“ sei der Anteil junger Menschen und jener, die an psychischen Erkrankungen leiden. Laut offiziellen Zahlen des Senats gibt es in der Stadt 5 000 bis 6 000 Obdachlose. Experten wie Schönberner schätzen sie auf 8 000 bis 10 000 Personen. Ein großer Teil kommt aus Osteuropa. Auch gebe es entgegen aller offiziellen Beteuerungen wohnungs- und obdachlose Kinder, so Schönberner.
Als „tragisch“ bezeichnet Ralf Schönberner die ärztliche Versorgung von Wohnungslosen. Sie haben keine Krankenversicherung. „Es gibt nur einige wenige Stellen in der Stadt, die sie kostenlos versorgen. Wir können zugucken, wie die Beine von Diabetikern wegfaulen“, schildert Ralf Schönberner. Er ist froh, dass jeden Freitag ein Arzt der Caritas die Wohnungslosentagesstätte aufsucht. Trotzdem kann dieser nur eine Notversorgung vornehmen.
Trotz alledem sagt Ralf Schönberner: „Wir können die Not ein Stück weit lindern. Wir können unterstützen, beraten und manche zurück ins soziale Gefüge bringen.“
WoTa, eine Einrichtung des Unionhilfswerks, hat dienstags bis sonntags von 11.30 bis 17 Uhr geöffnet. Die Tagesstätte organisiert sich zumeist selbst. WoTa-Besucher arbeiten auch als Ehrenamtliche in der Küche und in der Kleiderkammer; nähere Auskünfte zum Spendenaufruf bei Ralf Schönberner vor Ort, unter 2117956 oder unter wota@unionhilfswerk.de. KEN
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