Ein Brunnen für ein blindes Lamm: Spandauerin zieht ein Schaf groß und startet Hilfsaktion

Dagmar Blankertz und ihre putzmunteren Schafe Leon und Lämmchen. (Foto: Ulrike Kiefert)

Kladow. Es war Liebe auf den ersten Blick. Warum sonst zieht eine Klavierlehrerin ein blindes Lamm groß. Ein passendes Grundstück ist bereits gefunden. Was jetzt noch fehlt ist ein Brunnen.



Wenn Dagmar Blankertz am Stalltor steht, blökt ihr die Liebe schon weitem entgegen. Entzückt kramt sie das Knäckebrot aus der Jackentasche. Sie weiß, für Schafe ist das ein ganz besonderer Leckerbissen. Während Lämmchen knabbert, krault ihr die Ersatzmama die Wolle. Was für ein glückliches Schaf doch das blinde Lamm heute ist.

Dabei stand seine Geburt vor sechs Monaten unter keinem guten Stern. Von der Mutter weggetreten und verstoßen, akzeptierte auch die Herde den winzigen Wollknäuel nicht. Der Tod war ihm gewiss, wäre da nicht die Klavierlehrerin aus Staaken gewesen. Am Tag von Lämmchens Geburt spazierte Dagmar Blankertz nämlich auf dem Hahneberg und traf dort den Schäfer der Herde. Der lud sie ein, die Flaschenlämmer zu füttern und zu streicheln. Dagmar Blankertz sagte für den nächsten Morgen zu und traf so auf Lämmchen.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Das Zicklein wich ihr nicht von Seite und schrie beim Abschied jämmerlich. „Die Kleine hatte mich sofort fest in ihren winzigen Klauen. Am liebsten hätte ich im Stall übernachtet“, erzählt Dagmar Blankertz. Am nächsten Tag kam sie wieder, am übernächsten auch. Doch dann das Unglück. Lämmchen wurde krank, litt an einer Nabelinfektion. Drei Tage und Nächte pflegte Dagmar Blankertz sie mit einer befreundeten Tierärztin. Doch es wurde schlimmer. Lämmchen bekam eine schwere Blutvergiftung und Augeninfektion und musste in die Tierklinik. Drei Wochen Bangen, dann war der schlimmste Kampf gewonnen. Lämmchen wurde entlassen, blieb aber blind und brauchte intensive Pflege. Für Dagmar Blankertz keine Frage. Sie nahm das Lamm mit nach Hause, stellte den Wecker auf sechs Uhr morgens und das sechs Wochen lang. Doch schon vorher hatte sie entschieden: „Lämmchen gebe ich nicht mehr her.“

Also musste ein sicherer Platz her für das Tier, pardon, für zwei Tiere. Denn Lämmchen hatte in ihrer heimischen Schafherde einen Freund gefunden. Leon, auch ein Flaschenlamm. Die beiden sind untrennbar, wie Romeo und Julia, nur ohne Drama. Nach intensiver Suche fand Dagmar Blankertz ein Waldgrundstück in Kladow am Groß Glienicker See. 800 Quadratmeter groß ist die tierische Idylle mit Stall und Futterraufen. Was jedoch fehlt, ist ein Brunnen. Weshalb Dagmar Blankertz täglich Wasserflaschen schleppen muss. 3500 Euro würde so ein Tiefbrunnen kosten. Auch Stroh und Futter müssen finanziert werden. Darum hat die Spandauerin die Hilfsaktion „Ein Brunnen für ein blindes Lämmchen“ gestartet. Auf der Spendenplattform betterplace.org sammelt sie Geld. Crowdfunding nennt sich das, bei dem auch Kleinstbeträge willkommen sind. uk

Wer spenden möchte, klickt hier: www.betterplace.org/de/projects/35201. Oder informiert sich bei Projektbetreuerin Ines Zimzinski,  81 61 04 25.
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