Steglitz-Zehlendorf kann den Verfall der ehemaligen Backsteinvilla nicht stoppen

Die rote Backsteinruine in der Beymestraße ist fast vollständig von Efeu verdeckt. (Foto: K. Rabe)
Berlin: Villa Hinderer |

Steglitz. Das Grundstück in der Beymestraße 16 sieht trostlos aus: Die einstige Villa aus rotem Backstein ist im Zweiten Weltkrieg bombardiert worden. Seither ist an der Kriegsruine nichts passiert und der Bezirk kann weder gegen den Leerstand noch den Verfall etwas tun.

Von der Straße aus ist das Haus kaum noch zu sehen. Es ist beinahe komplett von Efeu umrankt und mutet wie ein verwunschenes Märchenschloss an. Dach und Fenster gibt es nicht mehr, aus den Öffnungen sind im Laufe der Jahrzehnte Bäume gewachsen. Bis zur Zerstörung des Hauses bei einen Luftangriff im März 1944 wohnte hier der Theologe und Publizist Professor August Hinderer mit seiner Familie. Nach der Bombardierung musste sich die Familie eine neue Bleibe suchen. Die Villa war unbewohnbar und für einen Wiederaufbau fehlte das Geld. Der in Berlin lebende Sohn Fritz Hinderer hatte sich noch bis zu seinen Tod im Jahr 1991 um die Pflege des Gartens gekümmert. Seitdem sind Haus und Grundstück sich selbst überlassen. Zuletzt 2013 wurde vom Bezirksamt kontrolliert, dass von dem Grundstück keine Gefahren für die Sicherheit im öffentlichen Raum ausgeht. Die Zaunanlage sei stabil und verschlossen.

„Die Eigentümer wollen nichts an dem Zustand des Gebäudes und des bewaldeten Grundstücks ändern“, erklärt Bürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) auf eine schriftliche Anfrage von FDP-Fraktionschef Kay Ehrhardt. Dieser hatte bereits vor 15 Jahren zur Ruine eine Kleine Anfrage gestellt. Schon damals antwortete das Bezirksamt, dass die Eigentümerin – eine Enkelin von August Hinderer – aus familiären Gründen nicht an einem Verkauf des Grundstücks interessiert sei. Sämtliche Versuche des Amtes, die Eigentümerin von deren Verpflichtungen im Umgang mit Eigentum gemäß Paragraph 77 der Bauordnung zu überzeugen, waren gescheitert.

Insgesamt gibt es wohl fünf Grundstücke in Steglitz-Zehlendorf, die in einem ähnlichen Zustand sind, teilt Richter-Kotowski weiter mit. Bei zwei weiteren Grundstücken seien nach der Beseitigung der Ruinen Neubauten von Einfamilienhäusern geplant.

Ehrhardt wollte aktuell aber auch wissen, ob es hinsichtlich der Gesetzgebung zur Zweckentfremdung einen neuen Ansatzpunkt in der Beymestraße gebe. Da nach der Bombardierung des Hauses kein schützenswerter Wohnraum entstanden sei, würde das Gesetz nicht greifen, erläuterte die Bürgermeisterin. KaR
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