Aufpasser für den Leo: Bezirk will erneut Platzdienst einrichten

Auf dem Leopoldplatz sollen zukünftig wieder Platzstreifen patrouillieren. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Leopoldplatz |

Wedding. Um die wieder größer gewordenen Probleme auf dem Leopoldplatz in den Griff zu bekommen, will das Bezirksamt einen sogenannten Platzdienst ausschreiben.

„Ein lebenswerter Leopoldplatz für alle“ heißt der Antrag der SPD, der auf der letzten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor der Sommerpause beschlossen wurde. In den vergangenen Monaten waren die Probleme mit Drogen und Alkohol wieder schlimmer geworden, so dass der Leo für viele nicht mehr lebenswert ist.

Das extra vor vier Jahren vom Betreiber Ströer aufgestellte Toilettenhäuschen direkt neben dem Aufenthaltsbereich für die Alkoholiker musste wegen Drogenproblemen monatelang geschlossen werden, weil sich Süchtige darin den Schuss gesetzt haben. Seit April ist das fast Umsonst-Klo an der Schulstraße wieder offen. Durch massive Polizeieinsätze gegen die Dealer ist die Situation wieder etwas besser geworden, die sogenannte Szene – etwa 50 Alkoholkranke, die eher weniger mit Drogen zu tun haben – trauen sich wieder auf ihren Trinkertreff neben dem WC. Sozialarbeiter von Streetworker-Verein Fixpunkt kümmern sich um die schwierige Klientel auf dem Leo, sind seit Anfang 2016 Ansprechpartner für die Trinker und bieten auf dem Leopoldplatz auch Hilfe für Drogensüchtige, tauschen zum Beispiel Spritzenbesteck im Fixpunkt-Bus.

Laut BVV-Beschluss soll der Bezirk das Sozialarbeiterprojekt unbedingt für die kommenden Jahre fortführen. Der Auftrag für das Konflikt- und Platzmanagement läuft Ende 2017 aus. Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) hat bereits mehrfach zugesagt, dass der Bezirk die Streetworker weiter finanzieren will.

Noch in diesem Sommer soll als Modellversuch auch wieder ein sogenannter Platzdienst eingerichtet werden. 2013 gab es schon einmal diese Streifen, die in Zweierteams auf dem Leopoldplatz patrouillieren und freundlich darauf achten, dass die Leute sich an die Regeln wie das Alkoholverbot auf dem vorderen Leopoldplatz halten. Der gehört der Nazarethkirchgemeinde, die auch die Streifen gemeinsam mit dem Bezirk finanziert hatte. Ein neuer Platzdienst könnte schon ab August loslegen, wie Franziska Becker sagt. Sie kümmert sich als freiberufliche Mediatorin gemeinsam mit den Fixpunkt-Streetworkern um den Leopoldplatz und hat das Platzmanagement ab 2010 mit aufgebaut. Der Bezirk will für die Streifen eine Ausschreibung starten. Details zum Platzdienst waren bis Redaktionsschluss keine aus dem Rathaus zu bekommen. Becker sagte aber, dass die Mitarbeiter diesmal komplett vom Bezirk finanziert werden sollen und außer sonntags täglich nachmittags bis in die Abendstunden auf dem Leo aufpassen.

Der „Rückfall in die ursprünglichen Missstände auf und am Leopoldpatz“, so heißt es im BVV-Beschluss, „muss auf den Abbau und Wegfall gut etablierter Maßnahmen wie den Platzdienst und der durch Betroffene selbst mitverwalteten Räume für die Trinkerszene, dem Café Knorke, zurückgeführt werden“. Von Dassel möchte deshalb auch, dass es wieder einen betreuten Aufenthaltsraum für die Trinkerszene gibt. Details zum möglichen Neustart des Knorke in den Nazareth-Gemeinderäumen: erstmal keine. Das Café Knorke wurde seinerzeit wieder geschlossen, weil es Probleme mit Drogen gab.

Stephan von Dassel möchte auch auf dem Rathausvorplatz zwischen Rathausaltbau und dem Jobcenter-Turm ein Alkoholverbot erlassen. Das Thema sicherer Leopoldplatz steht beim Bürgermeister oben auf der Agenda. Ein Bezirksamtsbeschluss mit konkreten Maßnahmen ist in Arbeit. Ohne Platzdienst und permanente Betreuung und Unterstützung auf und rund um den Leopoldplatz funktioniere die Idee vom Leopoldplatz für alle nicht, so die Ethnologin und Mediatorin Franziska Becker. Der Leo sei „eine lebenslange Aufgabe“. DJ
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