Grüne Stadträtin gegen Grün-Aktivistin: Grünflächenamt will Zäune der Minigärten entfernen

Diese Minizäune sollen stören? Alfa Conradt verwandelt seit vier Jahren öde Baumscheiben an der Türkenstraße in grüne Oasen. (Foto: Dirk Jericho)
 
Alfa Conradt verwandelt seit vier Jahren öde Baumscheiben in der Türkenstraße in grüne Oasen. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Ehrenamtliches Engagement im tristen Kiez: Die Öko-Aktivistin Alfa Conradt verteidigt ihre gepflegten Baumscheiben-Paradiese. Doch Umweltstadträtin Sabine Weißler (Grüne) fordert den Abbau der Einzäunung.

„Baumscheibe wird zur Wiese“ heißt der Programmpunkt beim Langen Tag der Stadtnatur am 17. Juni an der Türkenstraße 21. Alfa Conradt, die seit vier Jahren die schmuddelige Türkenstraße mit blühenden Gehweggärten aufpeppt, zeigt den Besuchern von 16 bis 19 Uhr, wie man grüne Wohlfühlinseln schafft. Für ihr großes Engagement hat Alfa Conradt beim Grünwettbewerb des Umweltverbandes Grüne Liga „Urbane Paradiese“ 2015 sogar in der Kategorie Straßenraum den ersten Preis gewonnen.

Doch dem Straßen- und Grünflächenamt (SGA) passt Conradts Pflanzelan nicht. Seit Jahren liegt sie mit der Behörde im Clinch. Wurden die Minigärten in der Türkenstraße bisher gedudelt, hat Alfa Conradt jetzt die Aufforderung bekommen, die Zäune zu entfernen.

Conradt hat am 22. Mai mit einem Sitzstreik ihre bunten Baumscheiben bewacht und einen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bezirkschef Stephan von Dassel (Grüne) geschrieben. Darin fordert sie „eine in Berlin einheitliche Regelung zum Thema Baumscheiben-Eingrenzung“. Während zum Beispiel Neukölln wie auch fünf weitere Bezirke Zäune genehmigen, sind Eingrenzungen in Mitte verboten. „Keinen stören die Zäune, nichts ist passiert, den Bäumen geht es gut“, ärgert sich Conradt. Bepflanzte Baumscheiben ohne Zaun würden nicht lange bleiben, weil Leute Fahrräder an den Baum ketten, Müll ablagern, Hunde an den Baum machen oder BSR-Kehrfahrzeuge Erde rausreißen.

Mittlerweile hat Alfa Conradt neun Baumscheiben gestaltet, zwei weitere folgen im Juni. Sie steckt privat viel Geld in die Gehweggärten, derzeit bekommt sie auch finanzielle Unterstützung von der Stadtteilkoordination Parkviertel im Paul Gerhardt Stift. Alfa Conradt macht mit ihren Baumscheiben auch beim diesjährigen Umweltpreis Mitte mit, den Umweltstadträtin Sabine Weißler (Grüne) ausgelobt hat.

Die beharrt eisern auf der Regelung, dass Zäune um Baumscheiben in Mitte verboten sind. Fußgänger würden darüber fallen, und auch für Gehbehinderte oder Blinde sei die Abgrenzung eine Gefahr. Weißler hat auch „schon Kinder mit Laufrädern reinbrettern gesehen“, wie sie sagt. Die für das Straßen- und Grünflächenamt zuständige Grünen-Stadträtin betont, dass sie nichts gegen Baumscheibenbepflanzung habe, sondern „nur gegen Zäune“. Mitte sei ein Bezirk „mit viel Fußgängerverkehr“, deshalb will Weißler „Gefährdungsquellen beseitigen“. „Wenn jemand stürzt, sind wir haftbar“, sagt die Stadträtin.

Dass die Situation im touristischen Zentrum eine völlig andere ist, als in der Weddinger Türkenstraße, in die sich kaum ein Fremder verirrt, lässt Weißler als Argument nicht gelten. „Wir können nicht für jede Straße anders bescheiden“, sagt die Stadträtin. Eine Buchsbaumhecke als Umrandung hingegen würde Weißler akzeptieren, wie sie sagt.

Alfa Conradt, die sich auch gerne Guerilla-Gärtnerin nennt, fordert „die Erlaubnis des Zaunbaus für Wedding und Moabit!“ Doch Sabine Weißler bleibt hart: „Wenn die Zäune nicht abgebaut werden, machen wir das.“ DJ
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