Seit drei Jahrzehnten spielt das Grips-Theater am Hansaplatz das Musical „Linie 1“

Janette Rauch und Dieter Landuris in der Szene "Der Anmacher" bei der Uraufführung am 30. April 1986 im Grips-Theater am Hansaplatz.
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  • Janette Rauch und Dieter Landuris in der Szene "Der Anmacher" bei der Uraufführung am 30. April 1986 im Grips-Theater am Hansaplatz.
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Hansaviertel. Damals hatten die meisten Schauspieler an einem Erfolg des Stücks gezweifelt. Es wurde der größte Erfolg, den ein deutsches Musical je hatte. Am 30. April feierte das Grips-Theater am Hansaplatz drei Jahrzehnte „Linie 1“.

Die U-Bahnlinie 1 war im Entstehungsjahr des Musicals, drei Jahre vor der Wende, der „Orientexpress“ nach Kreuzberg. Dort hinein verirrt sich eine junge Ausreißerin aus der Provinz, die am Bahnhof Zoo gelandet ist. Das Mädchen ist auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen, einem Berliner Rockmusiker. „Linie 1“ ist ein riesiges Sittengemälde, in dem 90 schräge West-Berliner Großstadttypen und Schicksale zu erleben sind samt ihren Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten.

Der Autor, Grips-Theaterleiter Volker Ludwig, 1937 als Eckart Hachfeld in Ludwigshafen geboren und in Thüringen aufgewachsen, erzählt, dass er als Kabarett-Autor immer Probleme mit großen dramatischen Konstruktionen gehabt habe. „Ich hatte auch viele kleine Geschichten im Kopf, die aus früheren, zu langen Jugendstücken herausgefallen waren. Außerdem war es schon immer mein Hobby, besonders gelungene Dialoge aus alten Reichskabarett-Programmen zu recyceln.“ 1965 hatte Ludwig, der 13 Jahre zuvor nach West-Berlin gekommen war, das „Reichskabarett Berlin“, die politisch-satirische Bühne der Berliner Studentenbewegung, gegründet und vier Jahre später dann das Kinder- und Jugendtheater am Hansaplatz.

Der Ruhm hat sich für „Linie 1“ nicht sofort eingestellt. Anfangs beachtete keine große Bühne Deutschlands das Stück. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte das Musical mit der Musik von Birger Heymann erst, als die TV-Satiresendung „Scheibenwischer“ einige Lieder daraus brachte und „Linie 1“ bei den Stuttgarter Theaterwochen als einziger deutscher Beitrag gespielt wurde. Danach aber gab es kein Halten mehr. Bis heute wurde „Linie 1“ von mehr als 150 deutschsprachigen Theatern nachgespielt, außerdem rund um den Erdball inszeniert oder adaptiert. In den 90er-Jahren war es das meistinszenierte, meistaufgeführte und meistbesuchte Theaterstück im deutschsprachigen Raum und machte Volker Ludwig zum meistgespielten Autor – nach Shakespeare, Brecht und Molière.

Es regnete dafür Auszeichnungen. Das Musical ist verfilmt worden und erlebte ein sensationelles Gastspiel in der DDR. Selbstverständlich ging das Grips-Theater damit unzählige Male auf Tournee. Es gibt eine Figurentheater-Version und seit vergangenem Jahr eine englische Übertitelung. „Der Renner bei den Berlin-Touristen“, weiß Grips-Sprecherin Anja Kraus.

Eine der bewegendsten Vorstellungen fand 2013 statt. Auf Einladung der Berliner Stadtmission sahen 360 Obdachlose und Helfer der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo die „Linie 1“. Anschließend nahmen sie an einer Festtafel vor dem Theater Platz. Mit dem Jubiläumstag hat das Grips-Theater 1723 Vorstellungen von „Linie 1“ gegeben. Rund 620.000 Zuschauer haben bis dahin allein die Berliner Inszenierung gesehen, weit mehr als drei Millionen in anderen Theatern.

Heimlicher Star des Jubiläums aber dürfte Dietrich Lehmann sein: Er gibt seit der Uraufführung am 30. April 1986 ununterbrochen den „Hermann“ und die „Witwe Agathe“. Rekordverdächtig ist auch die Band „No Ticket“. Sie spielt immer wieder in ihrer Originalbesetzung mit Thomas Keller, Michael Brandt, Matthias Witting, Axel Kottmann und George Kranz. KEN

Aktuelle Vorstellungstermine und Kartenpreise finden sich auf www.grips-theater.de.
Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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