Feuer im Flüchtlingsheim: Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus

Einer der drei Containerbauten auf der Fläche zwischen Karower Chaussee und Großcurthstraße, in denen Flüchlinge untergebracht sind. (Foto: Schilp)

Buch. Am Morgen des 8. August ist in der Flüchtlingsunterkunft an der Karower Chaussee ein Feuer ausgebrochen. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Zum Glück gab es keine ernsthaft Verletzten.

Sicherheitsleute bemerkten gegen 3.10 Uhr das Feuer, das auf zwei Container in einem der drei großen Häuser übergegriffen hatte. Sie alarmierten sofort die Feuerwehr und brachten die Bewohner in Sicherheit. Trotzdem erlitten sechs Flüchtlinge leichte Rauchgasvergiftungen.

Innensenator Frank Henkel (CDU) sagt: „Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Das zeigt, dass die Polizei den Vorfall sehr ernst nimmt und mit der gebotenen Sensibilität vorgeht.“ Die Hintergründe der Tat seien noch nicht bekannt. Der Senator empfiehlt, keine Vorverurteilung in irgendeine Richtung zu treffen. Das erschwere der Polizei nur die Arbeit.

Der Bucher SPD-Abgeordnete Rainer-Michael Lehmann und die sozialpolitische Sprecherin der Linken, Elke Breitenbach, verurteilen in einer gemeinsamen Erklärung den mutmaßlichen Brandanschlag: „Wir sind erschüttert darüber, dass die Täter es bewusst in Kauf genommen haben, dass Bewohner verletzt oder getötet werden. Wir erwarten, dass die näheren Umstände schnellstmöglich aufklärt und die Brandstifter zur Rechenschaft gezogen werden.“

Welche Folgen hat das Feuer für die asylsuchenden Menschen? Betreiberin des „Refugiums Buch“ ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Das betroffene Haus habe unverzüglich evakuiert werden müssen, informiert Manfred Nowak, Kreisvorsitzender der AWO Berlin-Mitte. Stromleitungen seien beschädigt, der Geruch unzumutbar. „Die meisten der 185 Bewohner wurden noch am Tag des Brandes in eine Köpenicker Notunterkunft an der Glienicker Straße gebracht.“ Sozialarbeiter hätten sie begleitet, um den Wechsel zu erleichtern. Seine Hoffnung, die Flüchtlingsgruppe könne zusammenbleiben, hat sich allerdings nicht erfüllt. 30 Menschen mussten auf Anweisung des Landesflüchtlingsamts auf Quartiere in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg ausweichen.

Nun würden die Stromleitungen repariert und die zerstörten Container ausgetauscht. Dann könnten die Bewohner zurückkehren, so Nowak. Er glaubt, dass die Flüchtlinge das auch wollen. „Die Atmosphäre bei uns ist recht gut, etliche Kinder gehen in Buch in die Kita – und in den Notunterkünften sind die Bedingungen noch wesentlich spartanischer als hier.“

Insgesamt leben im „Refugium Buch“ 560 Menschen, 80 von ihnen sind erst vor Kurzem eingezogen; zuvor waren sie in Sporthallen untergebracht. Um die Neuankömmlinge aufzunehmen, mussten Gemeinschafträume – eigentlich dringend benötigt – zum Wohnen und Schlafen umfunktioniert werden. sus
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