400 Flüchtlinge – keine Fenster: ICC wird noch vor Weihnachten zur Notunterkunft

Genügend Platz, dafür ein Manko: Im ICC darf man kein Tageslicht erwarten. (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: ICC Internationales Congress Centrum Berlin |

Westend. Die Inbetriebnahme läuft: Mehrfach hatte der Senat eine Nutzung des leerstehenden Kongresszentrums ICC geprüft und verschoben. Jetzt steht fest, dass noch vor den Feiertagen erste Flüchtlinge im Hauptsaal eine Heimat finden. Und weitere Turnhallen-Quartiere? Dagegen sträubt sich der Bezirk.

Es ist nur noch eine Frage von wenigen Tagen, dann wird die Landschaft der Notunterkünfte in Westend um ein prominentes Objekt reicher. Neben der ehemaligen Psychiatrie in der Eschenallee, den Unterkünften in der Soor- und Rognitzstraße, den Turnhallen am Olympiastadion und den Messehallen am Funkturm gibt dann auch das ICC Asylbewerbern Obdach.

Genauer: der größte Saal. Wo einst bis zu 3500 Kongressgäste dem Tagungsgeschehen folgten, finden zunächst 400 Flüchtlinge ein Zuhause, wobei manche Quellen auch die doppelte Zahl nennen. Tageslicht und Frischluft dürfen Bewohner allerdings nicht erwarten. Trotz der kostspieligen Umrüstung gibt es in dem Saal nur künstliche Beleuchtung und Klimatisierung – aber kein Fenster, das man öffnen könnte. Um eine provisorische Wohnnutzung zu ermöglichen, bauen Handwerker laut Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle derzeit Trennwände ein, ertüchtigen Duschen, Sanitär- und Brandschutzanlagen – und ermöglichen so eine Übersiedlung von Flüchtlingen aus einer benachbarten Messehalle, wo ab dem 15. Januar die Internationale Grüne Woche stattfinden soll.

„Nur eine Zwischenlösung“, wie Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) verspricht. An der Sanierung des ICC ab 2018 zum Zwecke einer neuen Kongressnutzung sieht er keine Zweifel.

Auf der Suche nach weiteren Immobilien, die zur Flüchtlingsunterbringung taugen, ergibt sich derweil ein Konflikt zwischen Bezirk und Senat. Letzterer hatte dazu aufgerufen, die am ehesten entbehrlichen Turnhallen zu nennen – was Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) jedoch ablehnt. Für ihn steht fest, „dass für die Sportvereine ein Mindestmaß an Infrastruktur erhalten bleiben muss und vor der Beschlagnahmung von Schulsporthallen alle Alternativen ausgereizt sein sollten. Das ist bisher nicht der Fall“, meint Naumann. „Wir erwarten kluge und umsichtige Entscheidungen.“ tsc
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